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Modernes Bibelwissen Apokalypse jetzt, später oder nie?
Jg. 10/Nr. 1
„Sie sollen selig [gesegnet] sein, die da halten, was drinnen stehet, obwohl doch niemand weiß, was es ist, geschweige, daß er’s halten sollte … Es ist ebenso viel, als hätten wir’s [dieses Buch] nicht …“ —MARTIN LUTHER, „VORWORT ZUR OFFENBARUNG DES HEILIGEN JOHANNES“ (1522)
„Johannes’ Bezugnahmen auf das Alte Testament … sind der Schlüssel zum Verständnis der Bedeutung der vielen obskuren Metaphern in der Offenbarung.“ —G.K. BEALE, THE BOOK OF REVELATION: A COMMENTARY ON THE GREEK TEXT, FRONT FLAP (1999)
„Diejenigen von uns, die eine Menge besitzen, materiellen Reichtum haben, drängt es [das Buch Offenbarung] zur Frage, wohin unsere Treue gerichtet ist. Wem gehören wir an?“ —HARRY O. MAIER
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Welchen Wert hat das biblische Buch der Offenbarung? Sagt es das katastrophale Ende der Welt voraus? Ist es eine historische Aufzeichnung längst vergangener Ereignisse oder vielleicht ein Aufruf zu moralischer Verantwortung? Sollte es möglicherweise nur als Literatur des ersten Jahrhunderts gelesen werden, die sich ausschließlich auf die Menschen jener Zeit bezieht?
Die Apokalypse, das biblische Buch der Offenbarung, ist den meisten Menschen, die sich die Zeit nehmen, es zu lesen, ein Rätsel. Voller seltsamer Visionen, Blut und Rauch, schrecklicher Kriege, furchterregender Tiere und übler Herrscher liest es sich für viele wie ein Albtraum schlimmster Art. Es wurde von einem Mann namens Johannes verfasst, als Resultat außergewöhnlicher Erfahrungen als römischer Gefangener auf der Insel Patmos, nahe der Küste, die heute zur westlichen Türkei gehört. Der griechische Ausdruck apokalypsis, von dem sich der Titel des Buches ableitet, bedeutet „die Offenbarung“ oder „die Enthüllung“ – in diesem Zusammenhang von Dingen, die kommen sollen. Wie man jedoch aus der Reaktion der meisten Menschen erkennen kann, sieht man das Buch allgemein nicht als Enthüllung der Zukunft, sondern der Inhalt des Buches wird weitgehend als „verborgen“ angesehen und nicht verstanden. Als einzige Ausnahme erkennt man vielleicht an, dass das Buch eine massive Konfrontation zwischen Gott und der reuelosen Menschheit nahe dem Ende „des gegenwärtigen Zeitalters“ vorhersagt. „Apokalypse“ hat deshalb im Lauf der Zeit die Bedeutung von „unermessliche Katastrophe“, „vernichtende Zerstörung“ oder „Harmagedon“ angenommen. Vielleicht gibt es einen plausiblen Grund für dieses Fehlen an Klarheit – das ist etwas, was wir im weiteren Verlauf dieses Artikels behandeln werden. Im Vorwort der frühen Ausgaben von Martin Luthers Übersetzung des Neuen Testaments schrieb der berühmte Reformer in Bezug auf die Offenbarung: „… jedermann soll davon halten, wie ihm sein Geist eingibt.“ Er hatte Schwierigkeiten mit diesem Buch und schrieb: „… Mein Geist will sich in dieses Buch nicht schicken.“ Er sah die Niederschrift von Johannes’ Visionen als „weder apostolisch noch prophetisch“ (später hatte er eine andere Ansicht dazu). Der englische Bibelgelehrte J.B. Philipps hatte ähnliche Bedenken. Er schrieb in der Einleitung zu seiner „20th-Century Version“: „Ich war irgendwie versucht, dieses ganze Buch aus meiner Übersetzungsarbeit wegzulassen.“ Er merkte an, dass John Calvin es mit seinem Kommentar zum Neuen Testament ebenso gemacht hatte (siehe Kastenartikel „Zukunft fraglich?“). Nicht alle sehen das so. Judith Kovacs und Christopher Rowland, die sich eingehend damit befasst haben, wie das Buch im Verlauf der Geschichte der letzten 2000 Jahre aufgenommen worden ist, führen an, dass alle, die das Buch verstehen wollten, zwei Betrachtungsweisen angewandt haben. Sie haben es entweder als kodierte Botschaft über den Verlauf der Menschheitsgeschichte „der letzten Tage“ gesehen (in denen wir nach ihrer Meinung leben) oder als eine Reihe von Ermahnungen für ein moralisches Leben auf politischer, kirchlicher oder persönlicher Ebene. Es gab aber auch jene, die das Buch als lediglich aus einem historischen Blickwinkel interessant betrachteten. In diesem Artikel wollen wir alle drei dieser Betrachtungsweisen untersuchen.
Harry Maier ist ein kanadischer Gelehrter deutscher Abstammung, dessen lutherische Eltern nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem russisch besetzten Osteuropa geflohen waren. Als Kind hörte er regelmäßig, wie seine Eltern ihre Erfahrungen in apokalyptischen Begriffen schilderten. In seinem Buch Apocalypse Recalled (2002) versucht er deshalb, die Bedeutung der Offenbarung für die Gegenwart hervorzuheben, anstatt sich auf das Ende der Menschheitsgeschichte zu konzentrieren. In einem Interview, das er Vision vor Kurzem gegeben hat, sagte Maier: „Wie sollen die Mitglieder in christlichen Gemeinden, die das Buch lesen, darauf hören? Im Sinne von „irgendwann und irgendwo“? Oder als die sieben letzten Jahre der Geschichte, in denen es Trübsal geben wird und dann wird uns Jesus von allen üblen Dingen befreien, die kommen sollen? Oder als Aufruf zum Leben als treue Zeugen, mit offener Großzügigkeit für das Hier und Heute? Das alles sind sehr unterschiedliche Lesarten und sie hängen unabdingbar damit zusammen, welcher religiösen Gemeinschaft wir angehören, was wir von unserer Nation erwarten, was wir von unserer Regierung erwarten, wie wir als Bürger dieser Welt sind.“ Maier meidet den düsteren Ansatz der Fundamentalisten, die sich ausschließlich auf das katastrophale Ende der menschlichen Gesellschaft stürzen. Er folgt der zweiten, von Kovacs und Rowland aufgezeigten Betrachtungsweise und legt die Betonung auf ernsthafte Taten in der Gegenwart. Eine ähnliche Ansicht vertritt der Neutestamentler Craig Evans, für den die Apokalypse primär ein Aufruf zu christlicher Verantwortung und Aufmerksamkeit ist. In einer Reflexion über die in der Offenbarung enthaltenen Botschaften an sieben Gemeinden im Kleinasien des ersten Jahrhunderts merkt er an: „Die Kirche muss Zeugnis ablegen. Sie muss das christliche Leben mit Redlichkeit führen und soll sich nicht der heidnischen Welt angleichen, in der sie lebt, noch soll sie hartherzig, oberflächlich und gleichgültig werden. Diese Botschaft ist heute wie damals anwendbar.“ Wie Maier hat auch Evans etwas gegen eine reine „Endzeit-Sichtweise“. Er äußerte sich gegenüber Vision in diesem Zusammenhang folgendermaßen: „Menschen geraten in eine Auslegungspraxis, die ich nicht mag. Man nimmt Bibelpassagen und vergleicht sie mit Schlagzeilen in den Nachrichten und versucht dann, Zusammenhänge mit der Eschatologie [Lehre von den letzten Dingen] herzustellen. Ich finde das unbesonnen und unverantwortlich. Und obwohl dies offenbar die Bedürfnisse einer großen Zahl von Christen stillt, speziell in der westlichen Welt, finde ich es ganz einfach beklagenswert.“ David Frankfurter ist ein Gelehrter, der die dritte Sichtweise vertritt. Er interessiert sich für die Offenbarung aus einer unterschiedlichen Perspektive: „Ich denke dieses [Buch] ist sehr wichtig als historische Literatur, und ich denke, es hat einen gewaltigen Einfluss auf die Kunstgeschichte, Literaturgeschichte und die Kulturgeschichte – und ich bin der Meinung, dass man es mit dieser Sichtweise studieren sollte. Es würde mir schwerfallen, es als eine hilfreiche Botschaft zu bezeichnen, weder für Menschen, die sich in dieser Welt in Schwierigkeiten befinden, noch für Menschen, die auf eine bessere Welt hoffen – die Gewalt, die hier ausgeübt wird, nicht gegen Unterdrücker, sondern gegen alle, die im Sinne dieses Textes unrein sind, ist ziemlich extrem.“ Wenn man die Apokalypse vollständig liest, kommt man nicht umhin, die Schlussfolgerung zu ziehen, dass es zwar eindeutig einen Aufruf zu Verantwortlichkeit gibt, aber eben auch ein sehr klar definiertes katastrophales Ende für alles Böse. Was Kovacs und Rowland als „Entweder-oder-Haltung“ beschrieben haben, ist nicht die einzige Möglichkeit, das Buch zu interpretieren. Noch ist Frankfurters rein historische Sichtweise die einzige Alternative dazu. Wir können alle drei Betrachtungsweisen anwenden, ohne in die Fallstricke des Fundamentalismus zu geraten.
Bei genauem Lesen der Offenbarung – indem man den Text für sich selbst sprechen lässt, statt eigene Ideen hineinzulesen – findet man Antworten auf vielfach geäußerte Bedenken in Bezug auf seine möglichen Auswirkungen auf Ungefestigte. Es wird auch deutlich, warum es so wenig verstanden wird, trotz der buchstäblichen Bedeutung seines Titels „Offenbarung oder Enthüllung“. Das Buch beginnt mit der Mitteilung über den Ursprung seines Inhalts, seines Autors und seines Zweckes: „Dies ist die Offenbarung Jesu Christi, die ihm Gott gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen soll; und er hat sie durch seinen Engel gesandt und seinem Knecht Johannes kundgetan, der bezeugt hat das Wort Gottes und das Zeugnis von Jesus Christus, alles, was er gesehen hat“ (Offenbarung 1, 1-2; Lutherbibel in ganzen Artikel, wenn nicht anders angegeben). Gott der Vater gab Jesus die Botschaft über zukünftige Ereignisse. Jesus wiederum übermittelte sie durch einen Engel und durch Visionen an seinen Apostel Johannes, um Gottes Nachfolger (seine „Knechte“) darüber zu informieren, was im Verlauf der Menschheitsgeschichte geschehen würde. Der erste Teil des Buches enthält auch wichtige Informationen für Jesu Nachfolger in Bezug auf ihr Verhaltung unter ihren Lebensumständen, und zwar im Lichte dessen, was kommen würde. Johannes sollte alles niederschreiben, was er sah und hörte, und das Ganze in Form eines erweiterten Briefes an die sieben Gemeinden in Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodizea senden (Offenbarung 1, 11). In der biblischen Literatur versinnbildlicht die Sieben einen Abschluss, Vollständigkeit, etwas Ganzes. Das Buch Offenbarung enthält viele Muster von Sieben: sieben Sterne, sieben Engel, sieben Leuchter, sieben Siegel, sieben Posaunen, sieben Häupter, sieben Kronen, sieben Schalen und sieben letzte Plagen. Die sieben Gemeinden repräsentieren insofern die gesamte Kirche. Jede Gemeinde empfing zwar eine speziell an sie gerichtete Botschaft, jedoch jede Botschaft sollte von allen sieben im Kontext des gesamten Buches gelesen werden. Wie Johannes siebenmal erwähnt: „Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!“ (Offenbarung 2 und 3; Betonung hinzugefügt). Wie das Buch in seiner Einleitung klar aussagt, war es ursprünglich nur an die Diener bzw. Knechte Gottes gerichtet. Es war keine öffentliche Botschaft. Heute ist sie insofern öffentlich, als sie inzwischen in Millionen von Bibeln in hunderten von Sprachen und Dialekten veröffentlicht wurde. Dies bedeutet jedoch nicht notwendigerweise, dass das Buch von einer größeren Gruppe als ursprünglich vorgesehen verstanden wird. Wie wir schon gesehen haben, zeigt uns seine Akzeptanz und Aufnahme in der Geschichte, dass dem nicht so war. Trotz der allgemeinen Verfügbarkeit wird es immer noch von der Mehrheit der Leser nicht oder nur wenig verstanden. Der Grund dafür liegt in einer selten erfassten, aber in diesem Zusammenhang besonders wichtigen biblischen Wahrheit: Die meisten Menschen werden Gottes Plan in diesem Leben nicht verstehen und auch im praktischen Sinn nicht positiv auf ihn reagieren, sondern ihn zurückweisen. Eigentlich ist die negative Reaktion des größten Teils der Menschheit an sich Teil der Geschichte, die das Buch Offenbarung darlegt.
Der überall offenbare Mangel an Verständnis über die Apokalypse findet sein Gegenstück im Evangelium nach Matthäus. In seinem Wirken als Lehrer benützte Jesus oft Gleichnisse. Matthäus dokumentierte eine Reihe von solchen Analogien über das Himmelreich. Man nimmt allgemein an, dass Jesus die Gleichnisse in seinen Reden einsetzte, um deren Bedeutung dadurch klarer zu machen, aber dem ist nicht so, wie Matthäus berichtet. Nachdem Jesus öffentlich das Gleichnis vom Sämann dargelegt hatte, fragten ihn seine Jünger: „…Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen? Er antwortete und sprach zu ihnen: Euch ist’s gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu verstehen, diesen aber ist’s nicht gegeben“ (Matthäus 13, 10-11). Das Wort Geheimnisse ist eine Übersetzung des Griechischen musterion, was umfassend beschrieben so viel bedeutet wie „der nicht manifestierte oder persönliche Rat Gottes; (Gottes) Geheimnis; die geheimen Gedanken, Pläne und Fügungen Gottes … die dem menschlichen Verstand verborgen sind, wie überhaupt allem Verständnis unterhalb der göttlichen Ebene und die noch auf eine Erfüllung oder Offenbarung warten, in Bezug auf alle, für die sie gedacht sind“ (W.F. Arndt, F.W. Danker, W. Bauer, A Greek-English Lexicon of the New Testament and Other Early Christian Literature, 2000). Die ursprüngliche Gemeinschaft der herausgerufenen Menschen (griechisch ekklesia), das heißt, die Kirche, die von Jesus gegründet wurde, war eine solche Gruppe. Sie hatten Erkenntnis und ihr Glaube basierte auf dem richtigen Verständnis der Rolle Jesu Christi in der Erfüllung der messianischen Prophezeiungen, wie sie in den Hebräischen Schriften (dem Alten Testament) zu finden sind. Sie waren jedoch nur sehr wenige; nach seinem dreieinhalbjährigen Wirken, kurz vor der Gründung der neutestamentlichen Kirche zu Pfingsten, waren es gerade einmal 120 Nachfolger (Apostelgeschichte 1, 15). Ihre Anzahl wuchs sehr bald, aber die meisten Menschen, die ihre Botschaft hörten, schlossen sich ihnen nicht an; sie waren noch nicht zum Verständnis berufen. Wie Jesus zu seinen Nachfolgern sagte, als er ihnen persönlich das Gleichnis vom Sämann auslegte: „Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehen und doch nicht sehen, weil sie hören und doch nicht hören und nichts verstehen“ (Matthäus 13, 13; Einheitsübersetzung). Seine Jünger (Schüler) waren in einer anderen Kategorie: „Ihr dagegen dürft euch freuen; denn eure Augen sehen und eure Ohren hören. Ich versichere euch: Viele Propheten und Gerechte wollten sehen, was ihr jetzt seht, aber sie haben es nicht gesehen. Sie wollten hören, was ihr jetzt hört, aber sie haben es nicht gehört“ (Matthäus 13, 16-17; Gute Nachricht Bibel).
Die Gemeinschaft der Nachfolger Jesu hielt sich fest an den religiösen Glauben und der daraus resultierenden Lebensweise Gottes, wie es Abraham, Isaak und Jakob getan hatten; sie waren jedoch durch den Heiligen Geist zu neuem Verständnis befähigt. Sie wussten, dass die Hebräischen Schriften (das Alte Testament) ein einheitliches Ganzes waren. Als die Gemeinden später Johannes’ Beschreibung vom Thron Gottes lasen (Offenbarung 4), erinnerte sie dies sicherlich an eine ähnliche Vision des Propheten Hesekiel (Hesekiel 1). Für sie repräsentierten die Hebräischen Schriften und die Bücher des Neuen Testaments eine Einheit in Praktik und Glauben. Die einzige Möglichkeit für die Herausgerufenen, die Apokalypse zu verstehen, war die Hilfe des Heiligen Geistes und die Erkenntnis, dass man diese Beschreibungen im Kontext der gesamten Bibel sehen muss. Wenn die Bibel als Ganzheit verstanden wird, ist die Offenbarung mit den anderen Teilen konsistent. Das bedeutet, dass im Speziellen auch die Worte von Hesekiel, Daniel, Sacharja, Jesus, Matthäus, Markus, Lukas, Johannes, Paulus, Jakobus, Petrus und Judas ihren Beitrag zum Verständnis der Offenbarung geleistet haben. Hesekiel schreibt nicht nur über Gottes Thron, sondern in späteren Kapiteln seiner Prophezeiung auch über die Errichtung des Reiches Gottes auf Erden. Dies entspricht auch den letzten Kapiteln der Offenbarung. Daniels Visionen, in welchen verschiedene Reiche, die einst den Nahen Osten regiert haben, durch eine Statue eines Mannes und verschiedene Tiere repräsentiert werden (siehe Daniel, Kapitel 2, 7 und 8), entsprechen der Vision Johannes’ von zusammengesetzten Tieren in Offenbarung 13 und 17. Die berühmten Vier Apokalyptischen Reiter (Offenbarung 6) erinnern an die Beschreibung ähnlicher vier Pferde durch den Propheten Sacharja (Sacharja 1 und 6). Als die Jünger Jesus persönlich im Privaten über das Ende der menschlichen Gesellschaft, wie wir sie kennen, befragten, nahm er in seiner Antwort zum Teil Bezug auf das Buch Daniel und auf spezifische Ereignisse im Nahen Osten (Matthäus 24, 15). Er beschrieb auch seine Rückkehr in einer Weise, wie wir sie in Offenbarung 19 finden. Der Apostel Paulus schrieb über Christi zweites Kommen in jedem seiner Briefe, die er an sieben örtliche oder regionale Gemeinden geschrieben hatte: Thessalonich, Korinth, Galatien, Rom, Kolossä, Ephesus und Philippi. Ähnlich wie er, schrieben auch Jakobus, Petrus und Judas in persönlichen Briefen an die kleinen Gruppen in ihrer Obhut über das große zukünftige Ereignis, das alles andere in den Schatten stellen würde.
Für die sieben Gemeinden in Kleinasien, die gegen Ende des ersten Jahrhunderts dort lebten, war dieses Einbeziehen des Alten Testaments ein aufschlussreicher Hintergrund für die Ausführungen der Offenbarung über die Ereignisse der Endzeit. Wenn man allerdings als moderner Leser die Bibel lediglich als Menschenwerk ansieht, geschrieben von Menschen mit ihren eigenen unterschiedlichen Ansichten, und die noch dazu angeblich untereinander im Widerstreit standen, dann geht diese umfassende Perspektive verloren. Wenn man die Bibel als Ganzes betrachtet, mit dem nötigen Respekt vor „Gottes Wort“, wird sehr klar, dass viele Teile miteinander verwoben sind und dass alles konsistent ist. Wenn wir alles Offenbarte zusammennehmen, wird offensichtlich, dass Gott eines Tages eingreifen wird und muss, um die Probleme der Menschheit zu lösen. Anfangs haben wir betrachtet, dass die Leser der Offenbarung üblicherweise zwei verschiedene Betrachtungsweisen anwenden. Harry Maier ist einer derjenigen, die meinen, dass heute entsprechende Taten zu vollbringen die angemessene Antwort auf die Themen des Buches sei und nicht der Glaube, dass das Ende der Welt nahe sei. Der moderne Imperialismus macht ihm sorgen, auch die Gefahren der Globalisierung und das Bestreben jeder Nation, um jeden Preis einen wachsenden Teil am ökonomischen Kuchen abzubekommen. Er sieht den zügellosen Materialismus, der zurzeit von Johannes durch das römische System hervorgebracht wurde, im 21. Jahrhundert widergespiegelt. Mit anderen Worten, er sieht den „Way of Life“, der durch die Pax Americana gefördert wird, als unser gegenwärtiges Problem, wogegen Johannes im Schatten der Pax Romana lebte und mit deren Auswirkungen zu tun hatte. Obwohl Maier nicht glaubt, dass es in der Offenbarung um das Ende der Welt geht, sieht er doch, dass wir durch das geldgierige, verantwortungslose Verhalten in Politik, Wirtschaft und Umwelt unseren Untergang herbeiführen könnten: „Diese Denkart ist für alle zum Scheitern verurteilt, es führt zum Untergang für alle. Die Offenbarung ist in Wirklichkeit eine Einladung zu einer anderen Art von Imagination.“ Diese andere Art, das Leben zu betrachten, würde einschließen, die lange Liste von Welthandelsgütern, wie man sie in Kapitel 18 der Offenbarung findet, neu zu überdenken. Diese Liste beschreibt nicht nur Essen und Trinken, sondern auch Edelmetalle, exotische Hölzer, Edelsteine, feine Stoffe, Parfums und die sehr beunruhigende Ausbeutung der „Leiber und Seelen von Menschen“ (Offenbarung 18, 11-13). Ich fragte Herrn Maier, was er über diese Liste aus dem ersten Jahrhundert im Lichte der fortschreitenden Globalisierung dachte und über die Beschreibung der Offenbarung, dass dieses System zusammenbrechen würde. Er meinte: „Dieser Abschnitt ist fast wie eine Persiflage der kostbarsten Waren, die man sich vorstellen kann. Die Menschen profitieren offensichtlicht gewaltig davon, und nun erleben sie einen tiefen Verlust, indem alle ihre Hoffnungen und Träume enttäuscht werden. Das Buch Offenbarung ist und war immer ein sehr tröstendes Buch für alle, die im Abseits stehen. Für jene, die an der Spitze stehen, wird es ein eher zermürbendes Buch sein. Diejenigen von uns, die eine Menge besitzen, materiellen Reichtum haben, drängt es zur Frage, wohin unsere Treue gerichtet ist. Wem gehören wir an? Für was legen wir aufrechtes Zeugnis ab? Für was sind wir im Endeffekt gewillt, unser Leben zu geben? Das ist die Frage.“ Obwohl wir nicht genau wissen können, wann das gegenwärtige Zeitalter menschlicher Selbstregierung enden wird, noch, wann genau Jesus zurückkommen wird, enthüllt die Apokalypse doch die Art von Welt, die vor seinem Kommen existieren wird. Es lehrt auch all jene, die „Ohren haben, um zu hören“, wie sie sich von den ausgetretenen Wegen dieser Welt distanzieren müssen und durch ihren eigenen Lebensweg ihre Erwartung der kommenden Herrschaft Gottes und seines Sohnes dokumentieren. DAVID HULME
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