Winter 2011

Gesellschaft & Kultur

Globale Probleme, globale Lösungen, Teil 1

Waffen und Krieg

David Hulme

Es ist eine Tatsache, dass die milliardenschwere Rüstungsindustrie von heute sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt hat. Schon im Ersten Weltkrieg und davor wurden Waffen industriell hergestellt, jedoch in kleinem Maßstab. Der Aufstieg der Nazis und die weltweite Reaktion der Alliierten waren es, die den Waffenschmieden das Einsatzzeichen gaben. Der dann folgende Kalte Krieg zwischen Ost und West, angeführt von den Supermächten USA und UdSSR, garantierte das Wachstum der Rüstungsindustrie für die nächsten Jahrzehnte.

Da es in den folgenden 50 Jahren ständig und weltweit Kriege gab, wurde auch die Rüstungsindustrie globalisiert und verlangte eine rasche technologische Entwicklung. Dies geschah nicht nur in den USA, der Sowjetunion (später Russland) und Westeuropa, sondern auch in China, Indien, Israel, Südafrika und Brasilien.

Trotz der Weltwirtschaftskrise des frühen 21. Jahrhunderts stiegen, wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI (Stockholm International Peace Research Institute) in seinem Bericht für 2009 meldet, die weltweiten Militärausgaben auf 1 531 Milliarden Dollar – 49 % mehr als im Jahr 2000.

EIN KOMPLEXES PROBLEM

In einer Welt, die sich nach Abrüstung und Frieden sehnt, ist Krieg ein globalisiertes Problem geworden. Die Rüstungsindustrie ist ein entscheidender Faktor der Gleichung: Sie liefert, was militärische Organisationen und Regierungen nachfragen, weil sie neue Arbeitsplätze und wachsende Rüstungsexporte benötigen, um den Wohlstand in ihren Ländern zu mehren.

Dies wirft grundsätzliche moralische Fragen auf – wenn auch nicht zum ersten Mal. Nach dem Zweiten Weltkrieg fasste der amerikanische General Omar Bradley das moralische Defizit zusammen, das in jenen Jahren deutlich hervorgetreten war. Er sagte 1948: „Die Welt hat brillante Intelligenz ohne Weisheit, Macht ohne Gewissen erreicht. Wir leben in einer Welt der nuklearen Riesen und der ethischen Zwerge. Wir wissen mehr über den Krieg als über den Frieden und mehr über das Töten als über das Leben.“

Trotz Bradleys scharfsichtiger Analyse konnte der „militärisch-industrielle Komplex“ in Amerika unter US-Präsident Dwight D. Eisenhower (1953-1961), der im Krieg ebenfalls General gewesen war, in phänomenaler Weise wachsen und sich entwickeln. Doch als er aus dem Amt schied, warnte auch er in seiner Abschiedsrede vor den Gefahren, die das unablässige Streben nach einer Vormachtstellung durch Rüstung mit sich bringt. Er sagte: „In den Gremien der Staatsführung müssen wir uns davor hüten, dass der militärisch-industrielle Komplex – ob gewollt oder ungewollt – einen unberechtigten Einfluss erlangt. Das Potenzial für einen katastrophalen Machtzuwachs an der falschen Stelle besteht und wird bleiben.“

Heute ist der militärisch-industrielle Komplex weit mächtiger und einflussreicher, als sich Eisenhower hätte vorstellen können. Den Berechnungen des SIPRI zufolge verfügten die USA 2010 über einen Anteil von 46,5 % an den weltweiten Rüstungskäufen. China folgt in großem Abstand mit 6,6 %! Als Begründung hierfür wird gewöhnlich angeführt, dass die USA im Unterschied zu anderen Ländern weltweite Verpflichtungen haben.

Bei den Rüstungsausgaben und der Entwicklung der Rüstungstechnik gab es in den letzten Jahrzehnten Aufwärts- und Abwärtstrends, doch die Zukunft der Branche scheint von fünf Faktoren abzuhängen. Laut dem Militär- und Rüstungsanalysten Richard Bitzinger sind dies die hierarchische Struktur der globalen Rüstungsindustrie, die Verteidigungsausgaben, der globale Markt für Rüstungsgüter, deren globalisierte Produktion und die sich abzeichnende, auf Informationstechnik beruhende Revolution militärischer Vorgehensweisen.

Im Folgenden wird jeder dieser Faktoren betrachtet, um zu prüfen, wie wahrscheinlich eine dramatische Umorientierung von globalisierter Rüstung zu Entwaffnung und Weltfrieden ist.

ENTSCHEIDENDE FAKTOREN

Einige wenige Hauptakteure bestimmen die Rüstungsindustrie auf globaler Ebene. Bitzinger berichtet, dass die USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und Russland zusammen 85 % der Rüstungsgüter der Welt produzieren. Dies sind die einflussreichsten Akteure mit der größten Produktion und dem meisten Geld für Forschung und Entwicklung. Andere – auf der zweiten, dritten oder vierten Rangstufe der Rüstungshierarchie befindlich – mögen anpassen und modifizieren oder kopieren und reproduzieren, was diese Marktführer vorgeben. Konkurrieren können sie schlichtweg nicht. Sie haben nur die Wahl, die hohen Kosten der Abhängigkeit zu tragen oder den Anschluss zu verlieren.

Angesichts der starken Verflechtung der „erstrangigen“ Länder mit ihren Rüstungsindustrien dürften diese kaum ins Wanken geraten. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Schwierigkeit, die Rüstungsindustrie von nationalem Wohlstand und Beschäftigung in solchen Ländern abzukoppeln. Das SIPRI berichtet: Die „starke Beziehung zwischen Rüstungsunternehmen und Regierungen sowie die wahrgenommene Bedeutung dieser Industrie für die nationale Sicherheit […] schirmen sie gegen unmittelbare Auswirkungen auch starker wirtschaftlicher Abschwünge ab. Diesen Status spiegeln die weiterhin hohen Umsatzerlöse, hohen Gewinne, großen Auftragsüberhänge und starken Cashflows wider, die mit der Herstellung von Waffen erzielt werden.“ Wenn das in den Ländern der Fall ist, die 85 % der Rüstungsgüter produzieren, ist ein nennenswerter Rückgang dieser Produktion unwahrscheinlich.
Der zweite von Bitzinger genannte Faktor sind die Verteidigungsausgaben dieser und anderer Länder, die ihrerseits von vielfältigen Faktoren beeinflusst werden. Sie nehmen nicht stetig zu. Große Umwälzungen der geopolitischen Landschaft wie z. B. der Zusammenbruch der Sowjetunion und seine Folgen für die Länder in ihrem Einflussbereich wirken sich auf Produktion und Absatz aus. Die Friedensdividende, die das Ende des Kalten Krieges brachte, bedeutete viele Entlassungen in der Rüstungsindustrie und in verbundenen Branchen; Waffenschmieden konsolidierten sich oder fusionierten. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts sind die Rüstungsausgaben jedoch wieder gestiegen – lang geplante Projekte wurden abgeschlossen, die Kriege im Irak und in Afghanistan gehen weiter, und mehrere Länder in Ost- und Südasien haben ihre Ausgaben stark erhöht. Die Verteidigungsbudgets sind in den USA und Russland deutlich gewachsen, in Europa und Japan indessen langsam bis gar nicht. China und Indien haben ihre Ausgaben für Waffen erheblich verstärkt. China gibt für den Zeitraum 1990-2005 eine Steigerung seiner Verteidigungsausgaben um durchschnittlich fast 10 % pro Jahr an; laut Bitzinger war Chinas Verteidigungshaushalt für 2009 um 14,9 % größer als im Vorjahr. Den Anstieg der indischen Verteidigungsausgaben zwischen 2000 und 2007 beziffert Bitzinger mit 37 %. Ähnlich hohe Zuwächse werden für Singapur und Südkorea angegeben.

Drittens sind keineswegs alle Rüstungsgüter, die ein Land produziert, für seine eigene Verteidigung bestimmt. An diesem globalen Rüstungsmarkt produzieren einige führende Waffenhersteller hauptsächlich für den Export: BAE Systems (78 %) in Großbritannien, Thales (75 %) und Dassault (70 %) in Frankreich und Saab (68 %) in Schweden. Diesen Zahlen für 2007 ähneln die der Waffenschmieden in Israel (75 %) und Russland (80 bis 90 %) für etwa denselben Zeitraum. Amerikanische Hersteller verkauften zwar überwiegend im Inland, jedoch haben ihre Exporte zugenommen, insbesondere bei den Jagdflugzeugen F-15 und F-16 sowie dem Kampfpanzer M-1A1. Viele dieser Unternehmen und ihre Tochtergesellschaften operieren international und haben Produktionsstätten wie auch Absatzmärkte in anderen Ländern als ihren eigenen.

Was diese Zahlen uns sagen, ist, dass der Waffenbasar so verflochten, internationalisiert und von gegenseitigen Abhängigkeiten geprägt ist, dass es außerordentlich schwierig wäre, ihn zu entflechten und in nennenswerter Weise zu verändern.

Ein vierter und damit verbundener Faktor ist der Trend weg von einzelstaatlichen Waffenherstellern und hin zu multinationalen Rüstungskonzernen. Dabei geht es nicht einfach um Auslandsinvestitionen, sondern um Joint Ventures und grenzübergreifende Fusionen sowie Übernahmen. Dadurch wird die Position der einzelnen Staaten im Fall schwerer Konflikte geschwächt. Kein Staat kann riskieren, von kriegswichtiger Produktion außerhalb seiner Grenzen abhängig zu werden. Dies gilt besonders im Zusammenhang mit den spezialisierten Bauelementen, die für modernste Technologien erforderlich sind. Die Globalisierung der Rüstungsproduktion macht auch die Länder, in denen sich die Produktionsanlagen befinden, anfällig gegenüber Kriminellen, die sich Zugang zu modernster Technik verschaffen wollen. Doch diese Produktionsstätten werden vom Standortland wie auch vom Konzern so dringend benötigt, dass ihr Betrieb kaum zurückgeschraubt werden dürfte.

Der fünfte Faktor, der die globale Rüstungsindustrie unweigerlich beeinflusst, ist die kontinuierliche Nachfrage nach immer besseren Waffen und Systemen. Verstärkt wird dies dadurch, dass manche befürchten, dass das, was Kriegsführung eigentlich ist, dabei sei, sich zu verändern. Laut Bitzinger ist die aktuelle Revolution militärischen Agierens „nichts Geringeres als eine Paradigmenverschiebung im Charakter und in der Durchführung von Kriegshandlungen und wird daher als ein diskontinuierlich und zerstörerisch verlaufender Wandel gesehen (im Gegensatz zu evolutionärem und erhaltendem Wandel)“. Was er beschreibt, ist die netzwerkzentrierte Kriegsführung, d. h. Kriegsführung mithilfe von vernetzten Computern, Sensoren, Mikroelektronik, Miniaturisierung und verbundenen Technologien. Auf diese Verschiebung werden sich Waffenhersteller einstellen müssen, und es gibt keinen Anlass zu glauben, dass sie das nicht tun werden. Im Grunde haben sie es bereits getan. Das zeigt die zunehmende Entwicklung und Nutzung von „Drohnen“ – unbemannten Fluggeräten, die entweder Aufklärungszwecken dienen oder töten können wie Raketengeschosse.

TECHNOLOGISCHE REVOLUTION

Die Einführung der Drohnen Predator, Reaper und Global Hawk in das Kriegsgeschehen in Irak/Afghanistan/Pakistan hat die Form des Konflikts verändert. Dort sind Tausende solcher Drohnen im Einsatz. Diese Waffen, oft aus großer Ferne von Luftwaffenstützpunkten abgeschossen und von weit entfernten Bodenstationen aus gesteuert, sind tatsächlich komplette Systeme. Die U.S. Air Force erklärt: „Der Predator MQ-1B ist ein unbemanntes Flugkörpersystem für mittlere Flughöhen und lange Einsätze. […] Ein voll funktionsfähiges System besteht aus vier Flugkörpern (mit Sensoren und Waffen), einer Bodenstation zur Fernsteuerung, […] einem „Predator Primary Satellite Link“ [Satellitenverbindung] und Ersatzgeräten sowie Einsatz- und Wartungsmannschaften für einen 24-stündigen Einsatz. Der Reaper ist ein ähnlicher Flugkörper, der größere Global Hawk dagegen „ein unbemanntes Flugkörpersystem für große Flughöhen und lange Einsätze mit integrierter Sensoreinheit, das weltweite Beobachtungs- und Aufklärungsdaten liefern kann (Intelligence, Surveillance and Reconnaissance, ISR)“.

Jedes Mal, wenn ich […] in einem Bericht las, dass eine Drohne ein Terroristenlager in Afghanistan beschossen hatte, hatte ich das Gefühl, in der Zeit der wichtigsten waffentechnischen Entwicklung seit der Atombombe zu leben …“ 

P.W. Singer, Wired for War (2009)

Dann gibt es den vom Gefechtsfeld abzufeuernden Shadow und den Raven, der von Soldaten per Hand in die Luft geworfen wird, um auszuspähen, was hinter dem nächsten Hügel oder Häuserblock ist.

Unter den Drohnen der nächsten Generation, die derzeit getestet werden, sind einige so klein wie Insekten und können durch Fenster fliegen, andere so groß wie Verkehrsflugzeuge, die sich sehr großer Höhe aufhalten. Loren B. Thompson vom Lexington Institute, einer Denkfabrik in Arlington (Virginia), sagte der Los Angeles Times, die Drohnentechnik sei „das am heißesten begehrte Waffensystem seit einer Generation“.

Aktuell wird der neue „Global Observer“ getestet. Er hat eine Spannweite wie eine mittelgroße Passagiermaschine, kann aus einer Höhe von bis zu knapp 20 Kilometern ganz Afghanistan auf einen Blick überwachen und eine Woche in der Luft bleiben.

Der fledermausähnliche „Nurflügeljet“ X-47B wird unbemannt von einem Flugzeugträger aus starten und unentdeckt von feindlichem Radar zurückkehren, nachdem er eine lasergesteuerte Bombenladung auf sein Ziel abgeworfen hat. Der X-47B, der im Februar 2011 seinen ersten Testflug absolviert hat, repräsentiert eine Technologie, die „das Spiel verändert“, wie manche sagen: Der Einsatz solcher Drohnen bedeutet, dass man Kampfhandlungen aus relativ sicherer Entfernung durchführen kann, und obgleich die Zielsetzung nicht weniger destruktiv sein wird, könnten Todesopfer angeblich auf ein Minimum beschränkt werden.

Diese neuen Drohnen stellen die nächste Generation unbemannter Fluggeräte dar. Peter W. Singer schreibt in Wired for War, das US-Militär hoffe, dass bis 2015 „jede Brigade tatsächlich mehr unbemannte als bemannte Fahrzeuge haben wird. […] Jede Brigade wird außerdem ihre eigene unbemannte Luftflotte mit über hundert Drohnen haben, die von den Soldaten der Einheit gesteuert werden.“

Auch angesichts dieser Umstände ist es unwahrscheinlich, dass die Rüstungsindustrie aufhört, für neue Kriegswaffen zu forschen und diese dann zu produzieren. Singer schreibt, er habe immer stärker den Eindruck, dass „wir mitten in etwas Wichtigem sind, vielleicht sogar einer Revolution der Kriegsführung und der Technik, die buchstäblich die menschliche Geschichte verändern wird“.

EINE ANDERE SICHT

Als Nebenbemerkung zu dieser neuen Stoßrichtung des militärisch-industriellen Denkens schreibt Victor Davis Hanson: „Selbst wenn sich Technologien und Ideologien ändern, wenn neue Propheten neuartige Strategien und unkonventionelle Lehren verkünden, wird der Konflikt unser aller altbekannter Vater bleiben – solange das Wesen des Menschen über Raum, Zeit und Kulturen hinweg konstant und unverändert bleibt.“ Er kommt zu dem Schluss: „Krieg ist ein ganz und gar menschliches Unterfangen“ (The Father of Us All: War and History, Ancient and Modern, 2010). Und hier befindet sich der Ausgangspunkt für eine Betrachtung der biblischen Dimensionen dieses globalen Problems Krieg.

Wir haben erlebt, was Technologie im Dienst der destruktiven Seite der menschlichen Psyche bewirkt. […] Die Mittel, um Grausamkeit auszudrücken und Massentötungen durchzuführen, sind voll entwickelt. Um die Technik zu stoppen, ist es zu spät. Jetzt sollten wir uns mit der Psyche befassen.“

Jonathan Glover, Humanity: A Moral History of the Twentieth Century (2001)

Der Krieg, wie wir ihn kennen, ist in der Tat ein ganz und gar menschliches Unterfangen. Aber was ist da im Herzen des Menschen, das ihn immer wieder so tief sinken lässt, dass er einen anderen Teil der Menschheit ausrottet? Manchmal ist es Neid. Beim ersten überlieferten Mord im ersten Buch der Bibel tötet ein Mann seinen unschuldigen Bruder, „weil seine Werke böse waren und die seines Bruders gerecht“ (1. Johannes 3, 12). Diesen Schluss zieht der Apostel Johannes aus der Menschheitsgeschichte seit jenen frühen Tagen. Mit anderen Worten: Es gibt gutes und böses Verhalten gegenüber unseren Mitmenschen. Ein Kommentator schreibt über Kain: „Es ist, als könnte er es nicht abwarten, seinen Bruder zu vernichten – die Lösung eines natürlichen Mannes für sein eigenes Versagen.“ Wie oft hat Neid eine Rolle gespielt, wenn ein Volk das andere angriff?

Jakobus, der Bruder Jesu – ein weiterer Autor des Neuen Testaments –, stellt die Frage: „Woher kommen die Kriege bei euch, woher die Streitigkeiten? Doch nur vom Kampf der Leidenschaften in eurem Innern. Ihr begehrt und erhaltet doch nichts. Ihr mordet und seid eifersüchtig und könnt dennoch nichts erreichen. Ihr streitet und führt Krieg“ (Jakobus 4, 1-2 Einheitsübersetzung).

Es liegt nicht daran, dass wir die Notwendigkeit und die Vorteile des Friedens nicht erkennen. Es gibt viele Institutionen, die sich für den Frieden einsetzen. Woodrow Wilson, der vielleicht größte Idealist unter den modernen Präsidenten Amerikas, arbeitete unermüdlich für die Schaffung des Völkerbundes. Friede war sein großes Ziel. Wilson war ein hoch intelligenter Mann von echter Frömmigkeit. Doch er konnte sein Ziel nicht erreichen, obwohl sich ihm andere führende Köpfe der Welt mit guten Absichten anschlossen.

Innerhalb von 20 Jahren nach dem Ersten Weltkrieg stand wieder die ganze Welt am Abgrund entsetzlicher Gewalt. Der Krieg, der alle Kriege beenden sollte, entpuppte sich als eine verlorene Hoffnung.

Die Vereinten Nationen haben die Ziele des Völkerbundes übernommen. Vor ihrem Gebäude in New York steht eine Skulptur – 1959 von der Sowjetunion gestiftet –, auf deren Sockel das Ideal des Friedens mit einem Zitat aus dem prophetischen Buch Micha ausgedrückt ist: „We shall beat our swords into plowshares“ (Wir werden unsere Schwerter zu Pflugscharen machen). Ein halbes Jahrhundert später ist wenig Fortschritt hin zu weltweitem Frieden zu erkennen. Wie idealistisch menschliche Führungspersönlichkeiten auch sein mögen – offenbar überwindet die Menschheit nie diese Tendenz, die aussieht wie ein Todestrieb.

Bedeutet das, dass es nie Frieden geben kann? Hanson würde sagen: nicht solange das Wesen des Menschen ist, wie es ist. Doch was meinte der Prophet, als er schrieb: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen“ (Micha 4, 3)? Ist das einfach unsinniger Idealismus? Oder gab er einen göttlichen Auftrag wieder? Ist es möglich, dass für die Erde noch eine Zeit kommt, in der das Ende des Krieges Realität sein wird? In der die Menschen einfach nicht mehr lernen, Krieg zu führen?

Jesus von Nazareth brachte eine klare Botschaft von einer kommenden Zeit des Friedens in aller Welt, in der das Wesen des Menschen verwandelt werden würde. Er sprach von einer kommenden Zeit der „Neuschöpfung “ (Matthäus 19, 28 Zürcher Bibel). Der Apostel Petrus sprach von „der Zeit, in der alles wiedergebracht wird“ (Apostelgeschichte 3, 21), und Paulus berief sich auf die älteren Propheten, als er schrieb: „geistlich gesinnt sein ist Leben und Friede“ (Römer 8, 5-6). Es war der Prophet Jeremia, der Gottes Antwort auf die dunkle Seite des menschlichen Wesens niederschrieb: „Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben“ (Jeremia 31, 33). Dies ist der Weg der Wandlung für das Menschenherz, und er allein kann zu einem Frieden führen, der von da an bereitwillig selbst geschaffen wird.

Was kann man in der Zwischenzeit tun? Wie so viele andere Probleme, die die Menschheit betreffen, fängt man am besten zu Hause an, bei sich selbst. Der Geist jedes einzelnen Menschen kann erneuert und befriedet werden. Wie? Auf die Weise, die seit Jahrtausenden bekannt ist. Derselbe Prophet, der davon schrieb, Waffen zu Geräten für friedliche Produktionszwecke zu machen, erklärt: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott“ (Micha 6, 8). Dieser Gott sagt uns: „Die Weisheit aber von oben her ist zuerst lauter, dann friedfertig, gütig, lässt sich etwas sagen, ist reich an Barmherzigkeit und guten Früchten, unparteiisch, ohne Heuchelei. Die Frucht der Gerechtigkeit aber wird gesät in Frieden für die, die Frieden stiften“ (Jakobus 3, 17-18).