Winter 2012

Editorial

Einsichten

Unser verschmutzter Planet

David Hulme

Es scheint kein Tag zu vergehen, ohne dass in den Medien über die ein oder andere Form von Umweltverschmutzung berichtet wird.

Peking ist bekannt für seine entsetzlich schlechte Luft. Im letzten Jahr wurden wegen schlechter Sicht Autobahnen gesperrt und Flüge annulliert. Andere Städte versuchen, mit Müllbergen fertig zu werden; Mexico City hat vor Kurzem seine Deponie Bordo Poniente – eine der größten der Welt – wegen ihrer Auswirkungen auf Wohngebiete und wasserführende Schichten vor Ort stillgelegt. Doch die Behörden haben versäumt, für angemessene Alternativen zu sorgen, sodass das Müllproblem nur noch schlimmer geworden ist.

Dass das Wassersystem der ganzen Erde verschmutzt ist, zeigt sich daran, dass es kaum noch einen sauberen Fluss gibt und dass sich durch Ölquellen und Öltanker verursachte Katastrophen häufen, ganz zu schweigen von den riesigen Plastikmüllinseln auf den Weltmeeren und den weniger sichtbaren Massen von Plastik-Mikrofasern. Das Problem der Meeresverseuchung durch Plastik nimmt jedes Jahr alarmierend zu. Plastik ist nicht biologisch abbaubar; die winzigen Mikrofasern werden von Meerestieren geschluckt und geraten so in die Nahrungskette. Es besteht die Vermutung, dass die chemische Zusammensetzung von Acryl, Polyäthylen, Polypropylen, Polyamid und Polyester, wenn sie in den Körper gelangen, für Meerestiere und dann auch für Menschen schädlich sein könnte.

Wasserverschmutzung ist nur ein Teil eines Ganzen, das auch Luftverschmutzung, Bodenerosion, Entwaldung, Zersiedelung, architektonische Scheußlichkeiten und andere Symptome allgemeiner Missachtung des Lebens und der Gesundheit der Welt umfasst.“ 

Wendell Berry, „The Purpose of a Coherent Community“ in The Way of Ignorance and Other Essays (2005)

Als wäre das nicht genug, heißt es nun, dass Amerikaner, die 90 % ihrer Lebenszeit in geschlossenen Räumen verbringen, durch Teppiche, Farbe, Holzprodukte, Reinigungsmittel, Computer usw. genügend Luftverschmutzung ausgesetzt sind, um in ihrer Gesundheit ernsthaft gefährdet zu sein. Die Untersuchung eines neu eingerichteten Kinderzimmers durch ABC News wies dort die Existenz von 300 Chemikalien nach – direkt vor dem Haus dagegen nur zwei.

So bedenklich das ist – gegenüber der radioaktiven Verseuchung infolge der Katastrophen von Tschernobyl (1986) und Fukushima (2011) ist diese Gefahr noch gering. In der Nähe dieser beiden Orte wird über Jahrzehnte niemand leben können. Mindestens drei Millionen Kinder in Weißrussland, der Ukraine und der Russischen Föderation mussten nach der Explosion von Tschernobyl behandelt werden. Noch 25 Jahre danach besteht eine erhöhte Schilddrüsenkrebsquote bei denen, die damals Kinder oder Jugendliche waren. In Japan wurden Boden, Meer und Luft verseucht und 80.000 Menschen evakuiert. Dass sie bald heimkehren können, ist unwahrscheinlich. Städte und Dörfer in einem Umkreis von 20 km um die Anlage weisen krebserregende Verseuchungsgrade auf, und es wird bis zu 40 Jahre dauern, die Anlage selbst stillzulegen. Schätzungen zufolge wird in Fukushima letztlich mehr Strahlung ausgetreten sein als in Tschernobyl, sodass dieser GAU der bisher größte der Geschichte ist.

Die ganze Erde wird durch den Menschen und seine Aktivitäten angegriffen. Dieser besorgniserregenden Situation, dass der Mensch dabei ist, alles zu zerstören, was ihm gottgegeben ist, stehen die Worte gegenüber, mit denen der Schöpfer sein Werk in der Schöpfungswoche beurteilte: „Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut“ ( 1. Mose 1, 31). In diese so günstige Umwelt brachte Gott den ersten Menschen: Er „setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte“ (1. Mose 2,15). Im Hebräischen bedeutet dies, das Land zu kultivieren, zu schützen und zu pflegen.

Der amerikanische Autor Wendell Berry deutet diese Anweisung so: „Wir haben die Erde bekommen, um nicht auf ihr, sondern mit ihr und von ihr zu leben, und nur unter der Bedingung, dass wir uns anständig um sie kümmern. Wir haben sie nicht geschaffen, und wir wissen wenig über sie […] Vor allem dürfen wir sie nicht dauerhaft schädigen oder ihre natürlichen Mechanismen der Selbsterhaltung gefährden.“

Bei alledem sind Ehrfurcht vor Gottes Schöpfung und Demut im Umgang mit ihr unerlässlich für unser Überleben.