Winter 2011

Religion

Die Hölle – Ursprünge einer Vorstellung

Richard Burky

Jeannette B. Anderson

Viele religiöse Gruppen stellen Gott als ein Wesen dar, das Menschen für ihre Sünden ewig quält. Für Ungläubige ist das natürlich Wasser auf ihre Mühlen: Wie kann man einen Gott anbeten, der dafür sorgt, dass fehlbare Menschen auf ewig in der Hölle gepeinigt werden? 

Von den etwa 6,7 Milliarden Menschen auf der Welt sind über zwei Milliarden Christen und rund 1,3 Milliarden Muslime. Zusammen haben diese beiden Religionen einen Anteil von etwa der Hälfte an der Bevölkerung der Welt, und beide glauben an einen ewig brennenden Ort der Verdammnis. Auch im Judentum und – wenn auch in unterschiedlichen Gestalten – in östlichen Religionen einschließlich Hinduismus, Buddhismus, Taoismus, Jainismus und Zoroastrismus gibt es die Vorstellung einer Hölle. Das Bild immerwährender (oder nahezu immerwährender) Qual ist in den Religionen und Kulturen der Welt so verbreitet, dass die Menschen sofort eine bestimmte Vorstellung haben, wenn man den Begriff „Hölle“ verwendet.

Da das Christentum die größte Religion der Welt ist, scheint es nur vernünftig, zu ergründen, was das „Buch der Bücher“ dazu sagt: die Bibel. Doch auch das Judentum und der Islam werden als „Buchreligionen“ bezeichnet, weil sie sich zu einem gemeinsamen Erbe bekennen – einer Abstammung, die auf Abraham zurückgeht – und somit die Achtung vor vielen Personen teilen, über die wir im Alten Testament lesen.

Zunächst ein kurzer Blick auf die Vorstellung einer Hölle, wie sie im Islam und im Christentum gelehrt wird.

DAS HÖLLENFEUER DROHT

Mohammed, als Prophet und Begründer des Islam anerkannt, lebte rund 600 Jahre nach Jesus Christus (s. „Der Prophet Mohammed – die Welt auf den Kopf gestellt“). Damals war die Vorstellung einer Hölle im Christentum schon fest etabliert, und Mohammed übernahm sie für die neue Religion. Tatsächlich zählen Hölle und Jüngstes Gericht zu den dominanten Themen des Korans, der warnt: „Siehe, wer da unsre Zeichen verleugnet, den werden wir im Feuer brennen lassen. Sooft ihre Haut gar ist, geben wir ihnen eine andre Haut, damit sie die Strafe schmecken“ (Sure 4, 59/56, Übersetzung von Max Henning). Viele Verse drohen dem Ungläubigen mit dem Höllenfeuer – „ewig soll er darin verweilen“ (Vers 95/93).

Auch das Christentum, sei es katholischer, orthodoxer oder evangelischer Prägung, ist weitgehend von Vorstellungen bestimmt, dass der Mensch gerichtet wird und, wenn er die notwendigen Kriterien nicht erfüllt, auf ewig in der Hölle leiden muss. Das Athanasische Glaubensbekenntnis, das die moderne Forschung auf das 5. bis frühe 6. Jahrhundert datiert und das von der römisch-katholischen Kirche, aber auch vielen evangelischen Kirchen in Ehren gehalten wird, endet mit den Worten: „Und die Gutes getan haben, werden eingehen zum ewigen Leben, die aber Böses getan haben, ins ewige Feuer. Dies ist der katholische Glaube. Wer ihn nicht treu und fest umfasst, kann nicht selig werden.“

Eine zentrale Figur in der Entwicklung der christlichen Lehre vom ewigen Höllenfeuer war Augustinus, der einflussreiche Bischof von Hippo (Nordafrika) im 4. Jahrhundert. Er schrieb mehrere Bücher, von denen einige zu den literarischen Meisterwerken des Abendlandes zählen, und hat entscheidend zur Definition des Christentums beigetragen (s. „Augustinus – ein Gigant abseits seiner Zeit“ und „Der Giftbecher des Augustinus“).

Augustinus schrieb, die Hölle – „Gehenna, die auch Feuer- und Schwefelpfuhl heißt“, werde „ein körperhaftes Feuer sein und die Leiber der Verdammten peinigen“ (Der Gottesstaat 21.10). Er schrieb auch vom „zweiten Tod mit seiner endlosen Pein“ (ibid., 13.3). Dem Bischof zufolge ist durch die Ursünde Adams und Evas jedes neu geborene Kind sofort und automatisch verdammt. Aufgrund dessen fallen alle, die nicht in das rechtgläubige Christentum getauft sind, der Strafe anheim – einschließlich Neugeborene und Menschen, die nie auch nur von Jesus Christus gehört haben. Hier drängt sich durchaus die Frage auf, wie das von Gott fair sein kann. Dennoch halten viele christliche Kirchen noch heute an Augustinus’ Argumenten fest und verstehen sie als grundlegend für ihren Glauben und ihre Lehre.

Knapp ein Jahrtausend nach Augustinus schrieb der Florentiner Dante Alighieri die Göttliche Komödie. Dante war überzeugter Katholik, Politiker, Dichter und Philosoph. Sein Werk gilt wie das des Augustinus als ein Grundstein des religiösen Denkens im Abendland. In seiner Erzählung wird Dante durch das Jenseits geführt. Zuerst geht er durch das Inferno (Hölle), dann durch das Purgatorium (Fegefeuer) und schließlich zum Paradies; und er beschreibt alles, was er sieht. Seine schreckliche Darstellung der Hölle ist zum festen Bestandteil der abendländischen Kultur geworden und hat Größen wie Michelangelo, Gustave Doré, Sandro Botticelli, John Milton und T.S. Eliot inspiriert.

BRANDHERD ANTIKE

Woher hatten Augustinus und Dante ihre Vorstellungen von nie endender Pein, die Sündern bevorsteht? Sind sie biblisch? Zur Zeit Christi hatte das Judentum ähnliche Vorstellungen in sein Glaubenssystem integriert, doch hatte es nicht von Anfang an gelehrt, dass den Unerlösten das ewige Höllenfeuer bestimmt sei. Auch die neutestamentliche Urkirche lehrte dies nicht. Es hat seine Wurzeln in einem anderen Boden.

Dantes Führer in der Hölle war der römische Dichter Vergil aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert. In seiner epischen Dichtung Aeneis wird der Held Aeneas ebenfalls durch die Hölle geführt. Vergils plastische Schilderung dieses schaurigen, makabren Ortes hat spätere Maler und Dichter tief beeinflusst.

Doch die Vorstellung einer Hölle als Ort der Qual ist noch älter als Vergil. Mehrere antike Kulturen, u. a. in Mesopotamien, Indien, Ägypten und Griechenland, hatten in ihrer Mythologie eine Unterwelt, das Reich der Toten. Im 1. Jahrhundert v. Chr. erörterte der griechische Geograph und Philosoph Strabon den Wert solcher Mythen und bemerkte: „Die Staaten und Gesetzgeber hatten sie als nützliches Mittel sanktioniert.“ Er fuhr fort, die Menschen würden „von bösen Wegen abgeschreckt, wenn sie entweder durch Schilderungen oder durch typische Darstellungen nicht gesehener Dinge von göttlichen Strafen, Schrecken und Drohungen erfahren“. Um die Widerspenstigen zur Raison zu bringen, schrieb er, seien vernünftige Argumente und Ermahnungen nicht genug: „Auch religiöse Furcht ist vonnöten, und diese lässt sich nicht ohne Mythen und Wunder wecken. […] Die Gründer von Staaten haben diese Dinge als Schreckgespenst sanktioniert, mit dem man Einfältigen Angst machen kann“ (Geographika 1.2.8).

Mit dem Aufstieg der abendländischen Philosophie durch Sokrates und seine intellektuellen Erben Platon und Aristoteles nahm das Verständnis von Leben, Tod und Jenseits neue Dimensionen an. Auch im Osten regte das Jenseits weiterhin die Fantasie an. Über eine Gruppe östlicher Philosophen bemerkte Strabon: „Sie spinnen Mythen, wie Platon, über die Unsterblichkeit der Seele und das Gericht im Hades und sonstige Dinge dieser Art“ (Geographika 15.1.59).

Platon (um 428-347 v. Chr.) wurde eine tragende Säule für die Entwicklung dieser Vorstellungen. Sein Name erscheint immer wieder in den Schriften des Augustinus, der fand, der griechische Gelehrte habe „die Philosophie vervollkommnet“ und werde „mit Recht hoch über alle anderen heidnischen Philosophen gestellt“. Obgleich der Bischof nicht das gesamte Denken Platons übernahm, schätzte er einige seiner philosophischen Ansichten hoch – „solche nämlich, wo er sich im Einklang befindet mit der wahren Religion, die unser Glaube übernommen hat und vertritt“ (Der Gottesstaat 8.4).

Dies war von enormer Tragweite für das traditionelle Christentum. Die Stanford Encyclopedia of Philosophy, die Augustinus als „christlichen Neoplatoniker“ bezeichnet, kommentiert: „Eine der entscheidenden Entwicklungen der philosophischen Tradition im Abendland war die mit der Zeit weit verbreitete Verschmelzung der griechischen philosophischen Tradition mit der religiös-biblischen Tradition des Judentums und Christentums. Augustinus ist eine der Hauptfiguren, durch die und von denen diese Verschmelzung erreicht wurde.“

Eine der zentralen Aussagen des neoplatonischen Denkens, das Augustinus übernahm, lautete, dass der Mensch eine unsterbliche Seele hat. Dies war ein entscheidender Schritt in der Genese seiner Vorstellung, dass Ungläubigen bestimmt sein könnte, ewige Qualen in der Hölle zu leiden.

ZURÜCK ZUR BIBEL

Die modernen Vorstellungen von der Hölle sind stark von heidnischen Kulturen und Philosophien beeinflusst. Was aber sagt die Bibel selbst dazu?

Das hebräische Wort im Alten Testament, das oft mit „Hölle“ übersetzt wurde, ist scheol – tatsächlich bedeutet es aber „das Grab“. Die Bibel lehrt, dass wir nach dem Tod einfach ins Grab kommen (s. Ps. 49, 10-11 und Pred. 3, 19-20). Das Interpreter’s Dictionary of the Bible kommentiert: „Nirgends im Alten Testament wird der Ort der Toten als ein Ort der Strafe oder Qual angesehen. Die Vorstellung einer grausigen ,Hölle‘ kam in Israel erst in der hellenistischen Epoche auf“ (ab dem 4. Jahrhundert v. Chr.). In jener Zeit gewann das religiöse und philosophische Denken der Griechen einschließlich Aristoteles und Platon Einfluss. Merriam-Webster’s Encyclopedia of World Religions weist darauf hin, dass „viele formale Aspekte hellenistischer Religion […] in der jüdischen und der christlichen Tradition bis heute erhalten geblieben sind“.

Im Neuen Testament finden sich drei griechische Wörter, die mit „Hölle“ übersetzt wurden. In den Evangelien kommt am häufigsten gehenna vor. Es bezieht sich auf das Tal Gehinnom, oder auch Tal von Hinnom. Direkt außerhalb der Stadtmauern Jerusalems wurde dort in der Zeit Jesu Müll abgeladen und verbrannt.

Zum ersten Mal wird das Tal in Josua 15, 8 erwähnt (alle Bibelzitate Luther-Bibel 1984, sofern nicht anders vermerkt): „Danach führt sie [die Grenze] hinauf zum Tal des Sohnes Hinnoms südlich des Berghangs der Jebusiter – das ist Jerusalem […].“ Zu dieser Zeit war Jerusalem im Besitz der Jebusiter, und das Tal bildete die Grenze zwischen den Gebieten, die Juda und Benjamin geerbt hatten – Söhne Jakobs, der auch Israel genannt wird.

Das Theological Dictionary of the New Testament erklärt zu diesem Tal: Es „wurde verrufen, denn dort wurde in den Tagen von Ahas und Manasse [Königen von Juda] dem Moloch geopfert. […] Das Tal Gehinnom wurde ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. in der [außerbiblischen, jüdischen] apokalyptischen Literatur mit der Hölle des Jüngsten Gerichts gleichgesetzt. […] So kam es, dass der Name Gehinnom für das eschatologische Höllenfeuer verwendet wurde. Im 1. Jahrhundert A. D. wurde die Bedeutung des Begriffs weiter ausgedehnt; er bezeichnete nun den Ort, wo die Gottlosen in einem Zwischenstadium bestraft wurden, doch im Neuen Testament ist dies nicht der Fall.“ Weiter heißt es: „Im Neuen Testament gibt es keine Beschreibung von Höllenqualen wie in der apokalyptischen Literatur“, in die später auch christliche Schriften Eingang fanden.

Noch einmal: Die Herkunft der Vorstellung, dass Menschen in einem ewigen Höllenfeuer gepeinigt werden, ist außerhalb der Heiligen Schrift zu suchen. Das sollte für jeden, der die Bibel als Quelle seines Glaubens betrachtet, ein Warnsignal sein.

So hatte das Tal Gehinnom im Lauf der Jahre negative Konnotationen bekommen. Laut Jeremia 7 hatten die israelitischen Einwohner der Region in Gottes Tempel Götzenbilder aufgestellt, und in dem nahe gelegenen Tal hatten sie diesen falschen Göttern Altäre errichtet. Darauf hatten sie sogar ihre Kinder verbrannt, um diese heidnischen Götter zu besänftigen.
 
In Jer. 19, 4-7 gibt der Prophet folgende Botschaft von Gott weiter: „Denn mein Volk hat mich verlassen. Sie haben diesen Ort verdorben und entweiht durch die Opfer, die sie anderen Göttern dargebracht haben. Von diesen haben sie früher nichts gewusst, auch ihre Vorfahren und die Könige von Juda nicht. Sie haben an diesem Ort das Blut unschuldiger Menschen vergossen. Sie haben auch einen Altar für den Baal gebaut, um darauf ihre Kinder als Opfer zu verbrennen. […] Deshalb wird eine Zeit kommen, da wird man diesen Ort nicht mehr Tofet oder Hinnom-Tal nennen, sondern Mordtal. An diesem Ort will ich alle Pläne der Leute von Juda und Jerusalem vereiteln. Sie sollen durch das Schwert ihrer mordgierigen Feinde umkommen und ihre Leichen werde ich den Vögeln und wilden Tieren zum Fraß vorwerfen.“ (Gute Nachricht Bibel)

Mit dieser Bedeutung verband man das Tal zur Zeit Jeremias. Im Neuen Testament wird das Wort gehenna generell im Zusammenhang mit der endgültigen Vernichtung der Bösen verwendet. Jesus sagt: „Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet euch aber viel mehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle“ – gehenna (Matth. 10, 28). Mit anderen Worten: Menschen können euch umbringen, aber sie können nur den Leib töten. Fürchtet sie nicht; fürchtet den einen, der euch für immer ein Ende bereiten kann.

Auch in anderen Situationen verwendete Jesus dieses Wort – stets in Anspielung auf den brennenden Müllhaufen als Metapher für die endgültige Vernichtung der unverbesserlich Bösen.

DIE SCHLÜSSEL DES TODES UND DES HADES

Ein weiteres griechisches Wort im Neuen Testament, das mit „Hölle“ übersetzt wurde, ist hades. In der griechischen Mythologie bezeichnet Hades den Totengott sowie die gleichnamige Unterwelt, einen Ort, an dem die Geister oder Schatten der Toten leben. Die Bibel verwendet den Ausdruck aber nicht in dieser Weise. Sie lehrt, dass die Toten nicht wieder leben, bis die Auferstehung stattfindet. In Neuen Testament bezeichnet Hades den Ort der Verstorbenen, das Grab, wie scheol im Alten Testament. So sagt Jesus in Matth. 11, 23: „Und du, Kapernaum, meinst du, du werdest etwa bis zum Himmel erhöht werden? Bis zum Hades wirst du hinabgestoßen werden“ (Elberfelder Bibel). Die Stadt sollte nicht für immer gepeinigt, sondern ins Grab gebracht, d. h. zerstört werden.

Über seine Kirche sagt Jesus: „Die Pforten der Hölle [hades] sollen sie nicht überwältigen“ (Matth. 16, 18). Gottes Kirche wird nie sterben oder ins Grab sinken.

Im Buch Offenbarung ist das Wort, das mit „Hölle“ übersetzt wurde, immer hades, d. h. „das Grab“ oder „der Ort der Verstorbenen“. Der auferstandene Jesus sagt z. B.: „Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle [hades]“ (Offb. 1, 18). Mit diesen symbolischen Schlüsseln werden in einer künftigen Zeit die Gräber der Toten geöffnet werden. Der Apostel Johannes sah dies in seiner Vision: „Und das Meer gab die Toten, die in ihm waren, und der Tod und der Hades gaben die Toten, die in ihnen waren“ (Offb. 20, 13, Elberfelder Bibel). Beide Verse beziehen sich einfach auf das Grab, oder den Ort der Verstorbenen. Der zweite bezieht sich darauf, dass Menschen zu körperlichem Leben auferstehen. Nach dieser Auferstehung der Toten werden „der Tod und der Hades in den Feuersee geworfen“ (Vers 14, Elberfelder Bibel). Der Tod selbst wird vernichtet – abgeschafft.

Gehenna ist analog zu diesem Feuersee, in dem am Ende alles Zeitliche verbrennen wird, und mit ihm die unverbesserlich Bösen. Darüber schreibt der Apostel Petrus: „Die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden ihr Urteil finden“ (2. Petr. 3, 10). Das heißt allerdings nicht, dass Gott die Gottlosen für immer peinigen wird – für diese weit verbreitete Auffassung gibt es schlichtweg keine biblische Basis. Wie Röm. 6, 23 klar aussagt: „Denn der Sünde Sold ist der Tod“ – das Ende des Lebens, nicht ein unendliches Leben in Elend und Grauen. Der Prophet Maleachi schreibt, dass ein Tag kommen wird, an dem die Gottlosen wie Stroh in einem Ofen brennen sollen, der nichts übrig lässt (Maleachi 3,19).

Aber noch ein weiteres Wort im Neuen Testament wurde mit „Hölle“ übersetzt: tartaroo (von tartaros). Der Apostel Petrus verwendet es nur einmal, im Zusammenhang mit dem Ort, an dem die Engel, die gesündigt haben, bis zum Gericht festgehalten werden (2. Petr. 2, 4). Wie gehenna und hades hat es nichts damit zu tun, dass Menschen auf ewig im Höllenfeuer leiden.

Doch wie sind die Worte Jesu in Matth. 25, 41 zu verstehen – „Und dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln“? Der Teufel und seine Engel bzw. Dämonen sind unsterbliche Geistwesen, und „das ewige Feuer“ bezeichnet ihre letzte Bestimmung: Gott wird sie einsperren, damit sie seiner übrigen Schöpfung nicht mehr schaden können. Weil sie sich ständig gegen Gott auflehnen, müssen sie in alle Ewigkeit festgehalten werden. Geistwesen können nicht wie körperliche Wesen verbrennen oder Schmerzen haben, doch sie werden auf immer von Gott abgeschnitten. Die Ankündigung einer ewigen Strafe betrifft somit Satan und seine Dämonen, nicht Menschen.

Wer sich aber bewusst weigert, nach den Gesetzen zu leben, die zu Glück und Frieden führen, wird nicht wie Christus als Geistwesen zu ewigem Leben auferstehen. Gott in seiner Liebe will nicht, dass ein Mensch für immer in einer Haltung der Rebellion lebt – und in dem Unglück, die eine solche Haltung bewirkt. Daher werden die unverbesserlich Bösen von ihrem Elend erlöst, wie es das Feuer der Gehenna symbolisiert. Dies wird in Offb. 20, 14 als „der zweite Tod“ bezeichnet: ein endgültiges Aufhören des Lebens. Wenn das Höllenfeuer durch die religiöse Überlieferung eine andere Bedeutung bekommen hat, so ist es wichtig zu wissen, dass die Bibel das nicht lehrt.

In den kommenden Ausgaben wird Vision näher auf den Ursprung mancher Begriffe eingehen, z. B. die Unsterblichkeit der Seele und auch die Lehre, alle, die nicht in diesem Leben „erlöst“ werden, seien in alle Ewigkeit verdammt.