Frühjahr 2017

Geschichte

Der siebte Tag des Sechstagekrieges

David Hulme

Ohne den Nahostkrieg im Juni 1967 würden die Schlagzeilen heute ganz anders lauten. Hier wird erklärt, wie dieser Krieg unsere Welt geformt hat und noch immer formt.

Vor 50 Jahren erlebte die Welt einen Moment, der einen entscheidenden Einfluss auf die Zukunft der internationalen Beziehungen hatte. In einer Region, die als „Kampfplatz zwischen nationalen Identitäten und ständigen Konflikten“ bezeichnet wurde, musste der arabisch-israelische Krieg von 1967, in Israel und der westlichen Welt als Sechstagekrieg bekannt, weitreichende Folgen haben.

Wie der israelische Historiker Michael B. Oren schreibt, „war der Krieg von 1967, dessen Nachbeben die Region weiterhin erschüttern, ein kritischer Punkt von höchster Bedeutung für die Entwicklung des modernen Mittleren und Nahen Ostens“ (Power, Faith and Fantasy: America in the Middle East, 1776 to the Present). In seiner Folgenschwere nur von der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 übertroffen, hat dieser kurze Krieg so viele Nachwirkungen, dass behauptet wird, wir lebten noch immer am siebten Tag des Krieges.

Auf einer sehr tiefen Ebene prägte der Krieg jeden auf der Welt, der sich entweder als Jude oder als Araber identifizierte, und aus einem lokalen Konflikt wurde ein weltweiter Konflikt.“

Albert Hourani, A History of the Arab Peoples

Bei vier Systemen des Denkens und Handelns – vier „Ismen“ – lassen sich die anhaltenden Auswirkungen in Bezug auf den Nahen und Mittleren Osten klar erkennen: dem arabischen Nationalismus, dem islamischen Extremismus, dem Zionismus und dem amerikanischen Evangelikalismus. Mit der Niederlage Ägyptens, Jordaniens, Syriens und des Irak – der Nachbarstaaten, die den Staat Israel stürzen wollten – ging der arabische Nationalismus unter, während die drei übrigen Formen des Fanatismus an Boden gewannen. In der Zusammenschau helfen der Fortschritt und die vielgestaltige Unzufriedenheit dieser Ideologien dabei, die Ereignisse der letzten 50 Jahre in der Region und die anhaltenden Unruhen zu erklären.

Betrachten wir die Auswirkungen von Israels Sieg in jenem Krieg auf jede dieser Ideologien und auf die langfristigen Friedensaussichten.

Arabischer Nationalismus

Die Vorstellung eines muslimischen Gesamtvolks, nicht beschränkt durch Staatsgrenzen, sondern geeint als religiöse Gemeinschaft, die umma, gibt es im Islam bereits seit Langem. Muslimische Araber, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Mittleren und Nahen Osten unter der Herrschaft des Osmanischen Reiches lebten, waren überwiegend zufrieden damit, Istanbul zu unterstehen, und bemühten sich nicht um eigene, getrennte Regierungen. Doch als der Aufstand der Jungtürken 1908 die Flammen des weltlichen türkischen Nationalismus anfachte, begannen die arabischen Muslime im Reich, nach eigenen Formen von Nationalismus und Unabhängigkeit zu streben.

Dieser Prozess wurde dann durch den Ersten Weltkrieg verlangsamt, doch mit dem Zusammenbruch der osmanischen Macht bei Kriegsende und der neuen Ordnung, die dem Mittleren und Nahen Osten durch Nachkriegsverträge aufgezwungen wurde, gewann er wieder an Fahrt. Der Friedensprozess und die Manöver der drei Alliierten Großbritannien, Frankreich und USA führten zu neuen politischen Grenzlinien im Sand. Palästina, Transjordanien, Irak, Syrien, Libanon und Latakien (heute ein Teil Syriens) wurden als Gebilde mit Hoffnung auf unterschiedliche Formen von Selbstbestimmung geschaffen: Wenn das vorübergehende Mandat Großbritanniens und Frankreichs endete, würden arabisch-nationalistische Impulse vielleicht zur Erfüllung kommen.

Doch wieder traten Ereignisse ein – darunter der Zweite Weltkrieg, der Holocaust, die Errichtung des Staates Israel und der arabisch-israelische Krieg von 1948 –, die zusammen mit den Komplexitäten von kolonialer, arabisch/palästinischer und zionistischer Politik dazu führten, dass der Weg zum Erfolg des arabischen Nationalismus bestenfalls uneben war.

In den 1950er-Jahren führte der Aufstieg Gamal Abd-el Nassers in Ägypten den arabischen Nationalismus zu neuen Höhen. Sein Triumph über Israel, Großbritannien und Frankreich in der Suezkrise von 1956 gab der arabischen Welt Auftrieb und stärkte seine regionalen Bestrebungen. Doch die scheinbare Bestätigung des erblühten Panarabismus – der politische Zusammenschluss Ägyptens und Syriens zur Vereinigten Arabischen Republik im Jahr 1958 – wurde von innen untergraben und hatte nur drei Jahre Bestand.

Dies hinderte Nasser jedoch nicht an der weiteren Zusammenarbeit mit Syrien, das im Vorfeld des Krieges von 1967 Guerillaüberfälle in Nordisrael durch Jassir Arafats al-Fatah unterstützte (diese schloss sich später mit Nassers konkurrierender Palästinensischer Befreiungsorganisation zusammen und wurde deren stärkste Fraktion). Als Israel mit Panzer- und Luftangriffen auf Syrien zurückschlug und Erkenntnisse sowjetischer Geheimdienste darauf hindeuteten, dass eine Invasion durch Israel unmittelbar bevorstand, beschloss Nasser, zu handeln. Er verlangte den Abzug der UN-Friedenstruppen, die nach der Suezkrise auf der Halbinsel Sinai und in Gaza stationiert worden waren, und sperrte den Golf von Akaba sowie die Straße von Tiran für israelische und andere Schiffe, die strategisch wichtige Güter zu dem israelischen Hafen Eilat bringen sollten. Dann verbündete sich Ägypten mit Syrien, Jordanien und dem Irak, um Israel ein für alle Mal auszulöschen.

Israel sah seine Existenz bedroht und entschloss sich zu einem Präventivschlag. Die Zahlenangaben variieren, doch laut Oren wurden bei dem Überraschungsangriff auf Ägyptens Luftwaffe am 5. Juni 286 Flugzeuge zerstört, die sich zumeist noch am Boden befanden. Innerhalb von 24 Stunden waren drei weitere arabische Luftwaffen einsatzunfähig. In den folgenden Tagen stießen israelische Bodentruppen bis zum Suezkanal und bis Scharm el-Scheich an der Südspitze der Halbinsel Sinai vor, vertrieben jordanische und syrische Kräfte von den Golanhöhen im Norden und eroberten das Westjordanland sowie das arabische Ostjerusalem.

In der gesamten arabischen Welt schwächte die überwältigende Niederlage dieser säkularen Staaten die Attraktivität des arabischen Nationalismus und seiner führenden Köpfe erheblich. Aber „natura abhorret vacuum“ – die Natur schreckt vor Leere zurück:

Der panarabische Nationalismus und der Nasserismus wurden mit der Zeit von einem einsetzenden Islamismus in den Schatten gestellt, der eine Gefahr für die arabische Ordnung wurde.“

David Makovsky, „Consequences of the 1967 War“

Islamischer Extremismus

Nach dem schweren Rückschlag für Nassers säkularen, sozialistischen Panarabismus versuchte die 1928 gegründete islamistische Muslimbruderschaft, die Leere in Ägypten auszufüllen. Ihr Vordenker Sayyid Qutb propagierte eine Umdeutung des Begriffs Dschihad („Kampf, Bemühung, Einsatz“, insbesondere gegen die Feinde des Islam). Er glaubte, die traditionelle Auslegung im Sinne eines begrenzten Verteidigungskrieges müsse einem totalen Angriffskrieg gegen alle weichen, die sich dem Islam entgegenstellten. Das unmittelbare Ziel der Bruderschaft in Ägypten bestand in der Schaffung eines islamischen Gottesstaates auf der Rechtsgrundlage der Scharia. Sowohl äußere als auch innere Gegner des Islam sollten das Ziel eines ewigen bewaffneten Kampfes gegen jedes Hindernis sein, das der Unterwerfung unter Gott im Wege stünde.

Nach seinem Militärputsch von 1952 hatte sich Nasser zunächst freundschaftlich mit Qutb beraten, doch nach einem versuchten Attentat stellte er ihn als Verschwörer vor Gericht. Qutb wurde für schuldig befunden und 1966 hingerichtet – einige Monate vor dem arabisch-israelischen Krieg. Zusammen mit der Niederlage der arabischen Streitkräfte wurde sein Tod zu einem Schlüsselereignis im Leben der Islamisten jener Generation. Sie verstanden den Ausgang des Krieges als göttliche Strafe dafür, dass in den arabischen Gebieten nicht das Gesetz der Scharia befolgt wurde. Der libanesisch-amerikanische Autor Fawaz Gerges schrieb nach vielen Gesprächen mit Dschihadisten: „Alle bezeichneten Israels Sieg von 1967 über die arabischen Staaten als Wasserscheide in ihrer Radikalisierung und Revolte gegen ,abtrünnige‘ Machthaber“ (The Far Enemy: Why Jihad Went Global).

Einer der ägyptischen Anhänger Qutbs war der junge Ayman al-Sawahiri, der spätere Ideologe und führende Kopf von Osama bin Ladens al-Qaida. Ein enger Freund al-Sawahiris war Abd al-Salam Faraj, der Anführer der von Qutb inspirierten Dschihad-Gruppe, die später als „Ägyptischer Islamischer Dschihad“ (Tansim al-Dschihad) bekannt wurde und auch den Nasser-Nachfolger Anwar el-Sadat ermordete.

Das Hauptziel bestand in jenen Jahren darin, die korrupten Praktiken lokaler arabischer Gegner (des nahen Feindes) auszumerzen; erst später wurde die nicht muslimische Welt (der ferne Feind) ins Visier genommen. Selbst al-Sawahiris Aufenthalt in Afghanistan, wo er in den 1980er-Jahren lebte und gegen sowjetische Kräfte kämpfte, diente dem Training der Kriegsführung für spätere Operationen in Ägypten. Im Jahr 1986 lernte er bin Laden kennen und wurde sein Arzt und Berater. Seine eher lokale Perspektive änderte sich dramatisch, als er seine Organisation Ägyptischer Islamischer Dschihad 1998 mit bin Ladens Weltweiter Islamischer Front für den Dschihad gegen Juden und Kreuzritter (al-Qaida) vereinigte – einer Bewegung mit globalen Zielen, die den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA zugrunde liegen.

Die spätere Distanzierung und Ablehnung der al-Qaida durch Islamisten und die arabische Welt im Allgemeinen, interne Zerwürfnisse innerhalb der Dschihad-Bewegung und die Ermordung Osama bin Ladens durch US Navy Seals im Jahr 2011 brachten andere Protagonisten auf die Weltbühne, darunter die Formation Islamischer Staat im Irak und in Syrien (ISIS), die 2014 traurige Berühmtheit erlangte und ihre terroristischen Anschläge nun an einer weltweiten Front fortsetzt.

Zionismus

Die zionistische Bewegung entstand in den frühen 1880er-Jahren in einer Gesellschaft namens „Chibbat Zion“ (Liebe zu Zion). Zion ist einer der biblischen Namen für Jerusalem. Ihre Mitglieder warben bei Juden in Russland, wo die Verfolgung kurz zuvor die Form staatlich unterstützter Pogrome angenommen hatte, für die Umsiedlung nach Palästina. Diese gewaltsame Entwicklung war ein wesentlicher Auslöser für verstärkte Forderungen nach einem Heimatland, wo Juden ihren Status unter den Völkern der Welt normalisieren könnten.

Das Wort Zionismus wurde um 1885 in Wien von dem jüdischen Schriftsteller Nathan Birnbaum geprägt. Er bezeichnete damit die Bewegung, die das Ziel verfolgte, die „Judenfrage“ zu lösen – das Problem der Judenverfolgung insbesondere in Osteuropa. Andere Versuche, das Problem zu lösen, einschließlich der Emanzipation und Assimilation in die unterschiedlichen Kulturen und Völker Europas, waren Birnbaum zufolge gescheitert. Für andere Völker sei Nationalismus die bevorzugte Lösung geworden – warum also nicht auch für die Juden?

Auf die Veröffentlichung von Theodor Herzls Der Judenstaat im Jahr 1896 hin wurde 1897 in Basel der erste Zionistische Weltkongress veranstaltet, aus dem bald die Zionistische Weltorganisation hervorging. Mit der Balfour-Deklaration befürwortete die britische Regierung 1917 „die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina“.

30 Jahre später stimmten die Vereinten Nationen dafür, Palästina in zwei Staaten zu teilen – einen jüdischen und einen arabischen, mit gegenseitigen wirtschaftlichen Interessen – und Jerusalem zu internationalisieren. Daraufhin griffen palästinensische Araber die jüdischen Siedler an. Im Mai darauf (1948) verkündete David Ben-Gurion die Gründung des Staates Israel, woraufhin sofort fünf arabische Armeen einfielen. Schließlich kam es zu einem Waffenstillstand, der ein größeres Territorium für Israel bedeutete als in dem Teilungsbeschluss vorgesehen, und Jerusalem wurde zwischen Jordanien und Israel aufgeteilt.

Dies war die Situation, die durch den Krieg von 1967 dramatisch verändert wurde. Israel gewann durch seinen überwältigenden Sieg die Kontrolle über ganz Jerusalem, das Westjordanland, die Golanhöhen, die Halbinsel Sinai und Gaza. Für Israelis bedeutete die Eroberung Ostjerusalems, dass sie nach 19 Jahren erstmals wieder Zugang zur heiligsten Stätte des Judentums hatten: zur Klagemauer, dem Westteil der Umfriedung des Tempels aus dem ersten Jahrhundert. An jenem Tag wurden selbst Unreligiöse religiös. Die Eroberung des Tempelbergs weckte in vielen den Wunsch, aus dem sonst militärischen und politischen Ereignis etwas tief Religiöses zu machen. Der israelische Verteidigungsminister und bekennende Säkularist Mosche Dajan verkündete: „Wir sind heimgekehrt zu allem, was heilig ist in unserem Land. Wir sind heimgekehrt, um nie wieder davon getrennt zu werden.“

Sofort erging der Befehl, die Häuser von Arabern nahe der Klagemauer zu räumen. In 24 Stunden war das Werk vollbracht: Von der israelischen Regierung und dem Jerusalemer Bürgermeister Teddy Kollek beauftragte Firmen zerstörten über 135 Häuser im Stadtbezirk Mughrabi und enteigneten nahezu 1 000 Palästinenser. Gleichzeitig vertrieben die Israelis palästinensische Bewohner aus dem jüdischen Viertel der Altstadt, die dort 1948 Zuflucht gefunden hatten, nachdem sie ihre Häuser in Westjerusalem verloren hatten. Schätzungen zufolge verloren 500 bis 600 palästinensische Familien nach dem Krieg von 1967 ihr Zuhause in der Altstadt. Dajan verkündete, er würde gern noch einen Schritt weitergehen und mit Bulldozern eine Straße durch die Berge brechen – breit genug, dass „jeder Jude auf der Welt die Westmauer erreichen kann“.

In den 50 Jahren seit damals hat Israel immer mehr und immer weiter auf umstrittenem Boden gebaut. Bis 2015 waren laut der israelischen Bewegung Peace Now 131 offizielle Siedlungen im Westjordanland außerhalb von Jerusalem entstanden, und die Zahl der Siedler war seit 1967 von null auf über 385 000 angewachsen. Zusätzlich haben Israelis seit den 1990er-Jahren 97 Siedleraußenposten ohne staatliche Genehmigung (und somit nach israelischem Recht illegal) errichtet. In Ostjerusalem gibt es heute zwölf israelische Stadtviertel und weitere 13 israelische Ansiedlungen in palästinensischen Vierteln. Insgesamt leben 200 000 Israelis in Ostjerusalem.

Der Sechstagekrieg bekam den Beinamen ,jüdischer Krieg‘, und das aus gutem Grund, denn der alte jüdische Geist in uns war auferstanden wie ein Gespenst.“

A. B. Yehoshua: „For a Jewish Border“, Jerusalem Post (19. Juli 2002)

Trotz vieler Versuche, einen Friedensvertrag auszuhandeln, stecken Israelis und Palästinenser in einer verfahrenen Situation fest, wobei die Palästinenser ständig an Boden verlieren. Die kritischsten Punkte sind nach wie vor die künftige Grenze zwischen zwei unabhängigen Staaten, das Recht palästinensischer Flüchtlinge, in ihre Heimat zurückzukehren, die innere und äußere Sicherheit sowie der Status Jerusalems.

Amerikanischer Evangelikalismus

Für eine Untergruppe des amerikanischen Protestantismus war Israels Triumph im Krieg von 1967 besonders bedeutsam. Die Unterstützung des Staates Israel durch weiße evangelikale Protestanten wurzelt in deren Glauben, dass das Land den Juden von Gott gegeben wurde und sich mit der Existenz des heutigen Staates Israel ein Teil der neutestamentlichen Prophezeiung der Wiederkunft Christi erfüllt. Diese Vorstellungen basieren auf den Lehren des englisch-irischen Predigers John Nelson Darby, der im 19. Jahrhundert die Plymouth Brethren gründete und die Dispensationstheologie entwickelte. Unterstützt wurde dieses Denken später von der Scofield Reference Bible sowie in jüngerer Zeit durch Hal Lindseys The Late Great Planet Earth und Tim LaHayes Serie Left Behind, die auf dem Glauben beruht, dass Christen vor der Wiederkunft Christi entrückt werden.

Die Dispensationstheologie legt die biblische Prophezeiung so aus, dass die Juden vor der Wiederkunft Christi in ihr Land zurückkehren müssen. Deshalb gelten Dispensationalisten als „christliche Zionisten“. Weil es Millionen dieser Evangelikalen gibt, sind sie in den USA eine einflussreiche Wählergruppe. Ihren Ansichten über die Unterstützung des Staates Israel durch die USA entgegenzukommen ist daher in jeder Wahlperiode sehr wichtig.

In den Jahren nach dem Sechstagekrieg wurde dies dem israelischen Tourismusministerium durchaus bewusst; es begann, bei amerikanischen Gemeinden mit Dispensationsglauben für Gruppenreisen nach Israel zu werben. Schließlich konnte eine solide Basis nicht jüdischer evangelikaler Unterstützer in den USA von großem Nutzen sein. Diese bildeten bereits proisraelische Organisationen, die sich daranmachten, Spenden für viele Projekte zu sammeln – darunter die Umsiedlung russischer Juden nach Israel, die Unterstützung von Siedlungen im Westjordanland und die Finanzierung des Tempel-Instituts, dessen Ziel es ist, auf dem einstigen Tempelberg in Jerusalems Altstadt wieder einen Bau zu errichten. Diese Aktivität führte wiederum zu einem Anschluss von AIPAC, der Israellobby in Washington D. C., an Amerikas rechten politischen Flügel. So entstanden nach jenen sechs Tagen im Jahr 1967 neue Verflechtungen zwischen Politik und Religion.

Alles ist anders, nichts ist anders

Im Vorfeld wurde bereits erwähnt, dass jene sechs Tage im Juni 1967 vieles für viele verändert haben, an anderen Umständen dagegen nichts. An der verfahrenen Situation zwischen Palästinensern und Israelis und dem menschlichen Hang zur Gewalt, wenn es um die eigene Existenz geht, hat sich nicht geändert. Das gilt auch für die weltweite Verflechtung von Politik und Religion. Und ungeachtet der Irrtümer der Dispensationstheorie kann man sagen, dass sich auch an dem, was die Bibel tatsächlich darüber prophezeit, was uns alle erwartet, nichts geändert hat.

Das Judentum wartet auf seinen Messias, der Islam auf seinen Mahdi und das Christentum auf die Wiederkunft Christi. Doch was der Schöpfer aller Menschen für die Zukunft verheißt, übersteigt all unsere engen Nationalismen und Vorurteile, unsere Aggressionen und Hassgefühle. Für uns alle wird der wahre siebte Tag des Sechstagekrieges noch kommen: „Und er wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen (Jesaja 2, 4, Luther-Bibel 1984).

In der Zwischenzeit findet sich in demselben prophetischen Wort der Aktionsplan für die, die an der Vorbereitung auf eine derart veränderte Welt beteiligt sein wollen: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott“ (Micha 6, 8).

Wem käme es jetzt nicht zugute, solche Gerechtigkeit, Liebe und Demut zu leben?