Winter 2005

Wissenschaft & Umwelt

Interview

Ein klarer Fall von Design

David Hulme

John C. Anderson

William Dembski (WD), ein prominenter Verfechter der Intelligent-Design-Bewegung spricht mit Vision-Herausgeber David Hulme und Redakteur John C. Anderson (V) über einige Fragen und Herausforderungen, mit denen die Bewegung konfrontiert ist.

William Dembski ist einer der führenden Köpfe der Bewegung „Intelligent Design“ (Intelligente Planung, ID), die den herkömmlichen Erklärungen über die Entstehung des Lebens durch darwinistische Evolution widerspricht. Zu diesem Thema hat Dembski viele Artikel sowie mehrere Bücher geschrieben, darunter The Design Inference: Eliminating Chance Through Small Probabilities (Cambridge University Press 1998) und Intelligent Design: The Bridge Between Science and Theology (InterVarsity 1999). Er hat in Mathematik und Philosophie promoviert, hat danach in der Mathematik und der Physik geforscht und ist derzeit Associate Research Professor für die begrifflichen Grundlagen der Wissenschaft an der Baylor University.

 

V Welches sind die Grundfragen für die Verfechter der Intelligent-Design-Theorie, und warum sind sie relevant?

WD Es geht darum, ob die Realität von Grund auf ein Produkt des Geistes, der Intelligenz und der Absicht oder geistloser, natürlicher, materieller Kräfte ist, die sich im Lauf der Zeit herausbilden. Sind wir hier wegen einer Intelligenz, die uns für einen Zweck bestimmt hat, oder sind wir ein Nebenprodukt der Evolution? Die Evolutionisten drücken es nicht gern so hart aus, aber das ist eigentlich die Grundfrage. Es gibt keine schlüssigen Beweise für die Vorstellung, all die biologische Komplexität und Vielfalt ließe sich auf einen blinden Evolutionsprozess zurückführen.

Richard Dawkins schreibt auf der ersten Seite seines Buches Der blinde Uhrmacher, Biologie sei „das Studium komplizierter Dinge, die so aussehen, als seien sie zu einem Zweck entworfen worden“. Auf den 300 folgenden Seiten argumentiert er dann, dass sie nur so aussehen. Beim ID-Theoretiker liegt nun die Beweislast, zu zeigen, dass es Aspekte der Biologie gibt - z.B. die Geißel von Bakterien oder andere molekulare Funktionseinheiten - die intelligent geplant sind; beim Darwinisten liegt die Beweislast für das Argument, kein Aspekt der Biologie sei intelligent geplant.

Eines der Probleme der Biologie ist, dass Biologen keine Ingenieure sind. Ingenieure verstehen, wie schwer es ist, etwas zum Funktionieren zu bringen. Evolutionsbiologen erzählen mehr oder minder plausible Geschichten darüber, wie sich verschiedene Formen biologischer Komplexität entwickelt haben könnten, aber es ist unmöglich, zu testen, ob es funktionieren würde oder könnte, oder welche tatsächlichen genetischen Veränderungen erforderlich wären, damit das fragliche System entstünde.

V Charles Darwin stand kurz davor, Vikar in der anglikanischen Kirche zu werden, als er eingeladen wurde, an der Forschungsexpedition der Beagle teilzunehmen. In ihrer Folge landete er hinsichtlich der Religion an einer ganz anderen Stelle. Sie haben offenbar einen ähnlichen, großen Richtungsumschwung vollzogen, aber Sie sind in Ihrer Arbeit zu einem entgegengesetzten Schluss gelangt.

WD Ja, das stimmt. Mein Vater war Biologe, und so akzeptierte ich einfach die Evolutionstheorie, als ich heranwuchs. Ich hinterfragte sie nicht. Das waren nicht meine Interessen in der High School.

Ich war nie Atheist, aber sicher in meinen ersten Jahren auch kein Christ. Dann begann ich, die Dinge in einem christlichen Licht zu sehen. Ich begann, über die Bedeutung meines Glaubens nachzudenken und Kritiken der Evolutionstheorie zu lesen, die mir einleuchteten, und ich sah keinen Grund, am Darwinismus festzuhalten. Es kam mir sehr unwahrscheinlich vor, dass die materiellen Prozesse, die angeblich die Evolution steuerten, all diese biologische Komplexität und Vielfalt bauen konnten. Ich ging hauptsächlich intuitiv vor; ich hatte damals kein schlüssiges System von Argumenten.

Darwins deistischer Glaube schwand im Lauf der Zeit und wurde immer schwächer, bis er an seinem Lebensende überzeugt war, dass Wissen über Gott nicht wirklich möglich sei; es handele sich hier um ein unergründliches Mysterium. Seine Ideen haben eine logische Kraft, die machtvoll in eine unglückliche Richtung drängt.

V Wie antworten Sie denen, die den Grundprinzipien der ID-Theorie zustimmen, aber keine Christen sind?

WD Für mich ist ID ein Teil der allgemeinen Offenbarung Gottes - also etwas, das allen Menschen gehört. Das will ich sicher niemandem verweigern. Ich habe Kontakte mit Hindus und Buddhisten, und ich respektiere sie. Ich sehe sie als Verbündete in Sachen ID. Ich bin tatsächlich hoch erfreut, dass ID bei Nichtchristen so viel Anerkennung erhält. Darum finde ich es wichtig, klar zu sagen, dass ID nicht dasselbe ist wie das Evangelium, das von Jesus Christus und seiner Botschaft spricht.

V Können wir wirklich erwarten, dass sich die westliche Gesellschaft von der darwinistischen Evolution als Idee abwendet, obwohl selbst in manchen religiösen Institutionen weltliche Vorurteile herrschen?

WD Was die USA betrifft, so steht die breite Masse Darwins Theorie ziemlich skeptisch gegenüber. Ich denke keineswegs, dass wir es mit etwas Unbesiegbarem zu tun haben. Die Argumente sind auf unserer Seite. Ein Physiker vom MIT [Massachusetts Institute of Technology] hat seinem Kollegen David Berlinski, der gegen den Darwinismus schreibt, mitgeteilt, dass er dort einen ganzen Fan-Club hat. Es ist nicht so öffentlich, aber im Verborgenen gibt es schon viel Zweifel und Ablehnung gegenüber dem Darwinismus.

V Welches sind die schwierigsten Herausforderungen für Menschen wie Sie, die für ID eintreten?

WD Man wird oft geschnitten - ein großer Teil des akademischen Establishments hält uns für Querköpfe. Aber es gibt auch das Gespür dafür, dass wir keine gewöhnlichen Querköpfe sind. Querköpfe kommen generell in der Öffentlichkeit nicht so gut an; ID hat aber jetzt die Aufmerksamkeit des Publikums. Während also die Allgemeinheit uns weitgehend zustimmt, wird das, was wir tun, von der akademischen und wissenschaftlichen Elite als bedrohlich und gefährlich wahrgenommen. Die meisten meiner Kollegen und ich bewegen uns in diesen Kreisen, und das bedeutet für uns eine Menge Konflikte.

V Wie kann die ID-Bewegung breitere Zustimmung finden?

WD Wir müssen sehr viel Aufklärungsarbeit leisten. Viele Menschen haben unsere Arbeiten noch immer nicht gelesen. Einer meiner Kollegen hat sich mit den Mitgliedern eines AAAS-Ausschusses [American Association for the Advancement of Science] in Verbindung gesetzt, die ID angeprangert hatten, und es stellte sich heraus, dass sie nichts von unserer Primärliteratur gelesen hatten. Es gibt also noch eine Menge Ignoranz.

Die größte Herausforderung für uns ist, dass wir an die Arbeit gehen und wirklich produzieren müssen. Es ist eine Sache, zu sagen, es gebe eine Planung in biologischen Systemen, aber eine ganz andere, das mit solider theoretischer und experimenteller Wissenschaft zu untermauern. Damit fangen wir jetzt an - wir gewinnen wirkliche wissenschaftliche Erkenntnisse über die biologischen Systeme; wir entwickeln ein Forschungsprogramm, das die Wissenschaftler reizen wird, mitzumachen. Das ist die eigentliche Herausforderung. Planung ist ein fruchtbarer Begriff. Er hat seit Darwins Zeiten im Wesentlichen auf Eis gelegen, und es bedarf talentierter Arbeiter, ihn zu entwickeln.

Doch wenn Sie sich in der Naturwissenschaft, insbesondere der Biologie, für ID aussprechen, kann das ein Karrierekiller sein. Darum muss man sehr vorsichtig vorgehen, wenn man an ID glaubt und forschen will. Man darf sich nicht allzu sehr in die Karten schauen lassen. Ich kenne einen jungen Biologen, einen der hellsten Köpfe in der ID-Forschung, doch seine gesamte Arbeit steht unter einem Pseudonym im Internet. Er wartet auf die endgültige Entscheidung über seinen Lehrstuhl, und es heißt, wenn er ihn auf Dauer bekommt, wird er an die Öffentlichkeit gehen. Es herrscht eine Menge Druck.

Ich kenne einen jungen Biologen, einen der hellsten Köpfe in der ID-Forschung, doch seine gesamte Arbeit steht unter einem Pseudonym im Internet. Es heißt, wenn er seinen Lehrstuhl auf Dauer bekommt, wird er an die Öffentlichkeit gehen.“

Allerdings müssen wir uns davor hüten, zu meinen, das gesamte akademische Establishment sei schlecht - dass es darauf aus sei, zu verhindern, dass gute Ideen ans Licht kommen. Daran glaube ich nicht. Es gibt Wege, ins Gespräch zu kommen, und je länger wir unbeirrbar bleiben, desto mehr wird unser guter Einfluss zunehmen.

V Was sind die überzeugendsten Argumente für ID?

WD Allein die Tatsache, dass es zuverlässige Methoden für die Entdeckung von Planung …[Design] gibt, sollte die Leute nachdenklich machen. Ob diese Methoden auf die Biologie anwendbar sind und dort auf Planung deuten, ist eine offene und spannende Frage. Allein diese Möglichkeit ist aber sehr bedeutsam.

Dann fragt sich, was geschieht, wenn wir diese Methoden tatsächlich auf biologische Systeme anwenden. Wir stellen fest, dass es auf der subzellularen Ebene lauter molekulare Funktionseinheiten von enormer Komplexität gibt, die der Darwinismus bisher nicht erklären konnte, und wenn diese Methoden der Erkennung von Planung auf sie angewandt werden, deuten sie immer mehr auf intelligentes Handeln hin.

Wir haben hier große Fortschritte gemacht, doch es bleibt noch viel zu tun. Wenn die Planung [im Gegensatz zur ungelenkten Evolution] einmal nachgewiesen ist - wenn bewiesen ist, dass materielle Mechanismen nicht geeignet sind, biologische Komplexität hervorzubringen -, dann stellt sich eine ganze Heerschar neuer Fragen.

Eine betrifft insbesondere die Tatsache, dass die Geschichte eindeutig eine Wirkung auf die Biologie ausgeübt hat. In einem gewissen Maß hat es Evolution gegeben. In welchem Maße waren nun Geschichte, natürliche Selektion, zufällige Abweichungen und materielle Kräfte von Bedeutung für die biologische Evolution? Wir stellen fest, dass Artefakte oder geplante Systeme der Erosion und Abnutzung unterliegen - den Einwirkungen der Kräfte der Natur. Diese Einwirkungen natürlicher Kräfte von den Auswirkungen der Planung zu unterscheiden, wird ein bedeutendes Forschungsprogramm.

V Finden Sie, dass ID neben der Evolutionstheorie in öffentlichen Schulen gelehrt werden sollte?

WD Ich finde, sie verdient neben der biologischen Evolution gelehrt zu werden, und sei es auch nur wegen der schlechten Beweislage für die biologische Evolution. Was die Untermauerung durch Beweise angeht, so ist das [die Evolution] eine fürchterliche Theorie. Auch Alternativen verdienen einen Platz am Tisch.

Aber meine Kollegen vom Discovery Institute gehen eher schrittweise voran: In ihren Augen ist ID noch nicht so weit, dass es mit vollständiger Wirksamkeit gelehrt werden kann. Etwas, das uns derzeit fehlt, ist Unterrichtsmaterial. Deshalb bemühen sie sich weniger darum, dass ID gelehrt wird, als dass Kritik an Darwins Theorie zugelassen wird. Und Kritik bezogen auf die Schwäche der Theorie findet sich in der biologischen Mainstream-Literatur. Man muss nicht zu den ID-Leuten gehen, um sie zu finden.

Meine Kollegen und ich sind allerdings dagegen, zu erzwingen, dass ID gelehrt wird. Es geht darum, den Schulverwaltungen und Lehrern die Wahlmöglichkeit zu geben. Doch selbst dagegen wehren sich Lobbys wie das NCSE [National Center for Science Education] erbittert. Es gibt ständig soziale und juristische Einschüchterungsmanöver, bei denen diese Gruppen an Schulverwaltungen und Lehrer herantreten und versuchen, oft unter Androhung eines Gerichtsverfahrens, sie davon abzubringen, dass sie Kritik [an der Evolution] zulassen oder ID lehren.

V Wie sehen Sie die Beziehung der Wissenschaft, die Sie betreiben, zum Materialismus als philosophischem Weltbild - der Vorstellung, nur die materielle Welt sei real?

WD Mein Ansatz steht in großem Widerspruch zum Materialismus. Wenn in natürlichen Systemen Planung feststellbar ist, ist der Materialismus tot. Materialismus ist im Wesentlichen ein zweidimensionales Programm: Auf der Ebene der konkreten Realität gibt es geistlose, materielle Wesen ohne Bestimmung, ohne Intelligenz. Und dann gibt es die Geschichte; es gibt Fortschritt - diese geistlosen, materiellen Wesen entwickeln sich mit der Zeit, und so kommt es zur kosmischen und biologischen Evolution. Das materialistische Programm sagt, alles in der Natur sei erklärbar auf der Grundlage der Entwicklung materieller Wesen im Verlauf von Zeit. Das ist eine metaphysische Behauptung, keine wissenschaftliche Behauptung.

Das materialistische Programm sagt, alles in der Natur sei auf der Grundlage der Entwicklung materieller Wesen in der Zeit erklärbar. Das ist eine metaphysische Behauptung, keine wissenschaftliche Behauptung.“

Aber womit könnte man dies wissenschaftlich anfechten? Wonach sollen wir suchen? Natürlich kann man als Philosoph fragen: Ist Materialismus die einzige Möglichkeit? Eindeutig nicht. Dann kann man fragen: Welche Zeichen intelligenter Planung finden wir? Materialisten ziehen sich immer auf weitere metaphysische Spekulationen zurück. Das ist es, was derzeit in der Physik zu sehen ist - Blasen-Universen, Multiwelten; statt nur „unseres“ Universums gibt es viele Universen. Wenn man mehrere Universen hat, gibt es sozusagen viele Lotterien, in denen Leben entstehen könnte. Was also aus der Perspektive des uns bekannten physischen Universums unwahrscheinlich aussieht, könnte aus der Perspektive von Multiversen tatsächlich recht wahrscheinlich sein.

Um den Schluss, dass man es mit Planung zu tun hat, kann man immer herumkommen. Nichtsdestotrotz gerät die materialistische Sicht durch Methoden der Planungserkennung unter Druck, weil ein Wissenschaftler sich nicht gern auf den Zufall zurückzieht. Man kann sagen: „Warum ist X geschehen? Es ist zufällig geschehen.“ Aber dann braucht man Darwins Theorie nicht mehr; man beruft sich einfach bei jedem Schritt des evolutionären Prozesses auf den Zufall.

So gerät das materialistische System durch das ID-Programm wirklich unter Druck. Diese Systeme sind unvereinbar, und ich denke, die andere Seite spürt diesen Druck. Das ist ein Grund, warum sie so aufgebracht sind.

V Wissenschaft beruht auf Beobachtung. Doch die Vorstellung von multiplen Universen oder Paralleluniversen beruht mit Sicherheit nicht auf Beobachtung. Sind die Leute, die in diese Richtung denken, nicht von ihrem eigentlichen Handwerk abgewichen?

WD Das ist ein gutes Argument. Vor etwa einem Jahrzehnt merkte David Lindley in seinem Buch Das Ende der Physik an, dass die moderne Physik uns ein großartiges technisches Instrumentarium und ganz viel Mathematik gegeben hat, sich aber im Grunde nicht wirklich von der Mythologie unterscheidet, wenn sie sich zu weit vom Territorium des empirischen Beweises entfernt. Zum Beispiel sollte der supraleitende Supercollider das nächste wichtige Teilchen entdecken, das die Teilchenphysik vermutete. Doch Lindley zeigt auf, dass man danach zur Entdeckung des wiederum nächsten Teilchens einen Beschleuniger bräuchte, dessen Durchmesser dem des Sonnensystems entspräche - eindeutig eine technische Unmöglichkeit. Es ist also wirklich unmöglich, das nächste Teilchen experimentell nachzuweisen. Was man findet, ist, dass die Theorie der Möglichkeit empirischer Bestätigung davonläuft.

Die moderne Physik uns ein großartiges technisches Instrumentarium und ganz viel Mathematik gegeben hat, sich aber im Grunde nicht wirklich von der Mythologie unterscheidet, wenn sie sich zu weit vom Territorium des empirischen Beweises entfernt.“

Physiker versuchen, das mit dem Begriff der Multiversen zu umgehen. Wenn man es aber wirklich genau betrachtet, gibt es für diese Multiwelten und so viele andere Dinge, über die in der Kosmologie jetzt immer mehr geredet wird, keine empirische Bestätigung.

V Wenn wir keinen Bauplan oder Satz von Spezifikationen haben, wie können wir dann wissen, dass etwas tatsächlich das Produkt einer Planung ist?

WD Spezifikationen, die vorab benennen, was wir suchen, machen die Planung besonders offensichtlich. Doch wenn Muster im Nachhinein erkannt werden, fragen wir, ob es möglich gewesen wäre, dieses Muster zu rekonstruieren, auch ohne es gesehen zu haben. Und oft ist das der Fall. Schauen Sie sich die Geißel von Bakterien an. Das ist eigentlich ein bidirektionaler, motorgetriebener Propeller. Nun wurde diese Tatsache erst in den 1920-er Jahren entdeckt. Wann wurden bidirektionale, motorgetriebene Propeller von Menschen erfunden? Lange davor. Hier haben wir also auf subzellularer Ebene eine „Maschine“, die im Wesentlichen schon vorher von Menschen erfunden worden war. Bei einer so großen Übereinstimmung ist es meines Erachtens nicht einmal fair, zu sagen, wir hätten dieses Muster im Nachhinein gefunden und es uns deshalb während des Suchens ausgedacht. Hier ist die Herausforderung der Planung. Tatsache ist, dass wir oft wissen, dass wir es mit Artefakten oder geplanten Systemen zu tun haben, auch wenn wir nur minimale Informationen haben.

V Wenn Archäologen nach Steinwerkzeugen suchen, müssen sie keine kunstvoll gefertigte Pfeilspitze finden, um zu dem Schluss zu kommen, dass ein Gegenstand von Menschen hergestellt ist. Gibt es hier eine Entsprechung zur „nicht reduzierbaren Komplexität“ insofern, als eine Zellstruktur nicht eine Million Teile haben muss, damit man erkennen kann, dass sie nicht zufällig zusammengetroffen ist?

WD Ich würde sogar noch weiter gehen. Selbst die einfachsten biologisch signifikanten Strukturen sind ungeheuer komplex. Sicher, es gibt Einfachheit bei den Nukleotidbasen und Aminosäuren. Aber sobald man anfängt, Aminosäuren zusammenzusetzen, um Proteine zu bilden, oder DNA-Basen, um die Doppelhelix zu bilden, ist die Komplexität enorm. Ein durchschnittliches Protein ist etwa 250 Aminosäuren lang; das bedeutet 20250 mögliche Variationen. Zufällig eine bestimmte Aminosäure zu treffen ist daher höchst unwahrscheinlich. In der Geißel des Bakteriums sind etwa 40 verschiedene Proteine kombiniert, und sie müssen in den richtigen Anteilen kombiniert sein. Dieser peitschenähnliche Schwanz wird aus rund 20 000 Protein-Untereinheiten bestehen; andere Teile können ein paar hundert Untereinheiten eines bestimmten Proteins haben. Diese Dinge sind also enorm komplex.

Der Punkt, an dem die Analogie mit der Archäologie nicht mehr funktioniert, ist die Tatsache, dass Archäologen oft bereits wissen, dass sie es an einem bestimmten Fundort mit Menschen zu tun haben. Sie haben in der Nähe andere Artefakte gefunden. So werden alle diese Informationen genutzt, wenn sie einen Stein anschauen, um zu sagen: „Dies ist ein Artefakt und nicht nur irgendein Stück Stein.“

Wenn wir aber molekulare Funktionseinheiten betrachten, dann sehen wir Maschinen, die exquisit sind. Howard Berg in Harvard nennt die Geißel von Bakterien „die effizienteste Maschine im Universum“. Wir haben also nicht etwas vor uns, das auf den ersten Blick wie irgendein Stück Stein aussieht, bei näherer Prüfung aber wahrscheinlich eine Pfeilspitze ist. Wir haben etwas vor uns, das ohne Zweifel sehr kunstvoll gefertigt ist. Stellen Sie sich eine Pfeilspitze vor, die sorgfältig gestaltet ist - sehr symmetrisch. Sie ist bemalt, sie ist vom Künstler oder Hersteller signiert. Diese Art von Dingen haben wir in der Biologie vor uns.

V Die Geißel wurde oft besprochen und abgebildet, aber wie viele andere Maschinen wurden entdeckt?

WD Die Geißel des Bakteriums ist viel zitiert worden; doch wie Behe aufgezeigt hat, sind die meisten Proteine in der Zelle eng mit mindestens sechs bis zehn anderen Proteinen verbunden. Diese Proteinmaschinen - Maschinen auf Molekularebene - sind also überall.

Das Problem für die evolutionäre Biologe ist nicht nur, dass sie diese Geißel nicht erklärt hat - mit ihren evolutionären Kategorien nach Darwin hat sie keine dieser Maschinen erklärt. Leute wie James Shapiro, der bekannte Molekularbiologe von der University of Chicago, und der Zellbiologe Franklin Harold von der Colorado State University sagen mit fast identischen Worten, dass es keine detaillierten darwinistischen Wege zu auch nur einem dieser Systeme gibt. Und fahren mit genau dem gleichen Ausdruck fort: „Nur Varianten von spekulativem Wunschdenken.“

Und das ist das Problem. Wenn der Darwinismus eine so wunderbar erfolgreiche Theorie wäre, würden wir dieses Gespräch nicht führen. Wir führen dieses Gespräch gerade wegen seiner Unfähigkeit, solche Systeme zu erklären, und nun der zunehmenden Plausibilität, dass die Intelligent-Design-Theorie sie auf wissenschaftliche und fruchtbare Weise erklären kann.