Winter 2002

Wissenschaft & Umwelt

Evolution: Mittelpunkt des wissenschaftlichen Universums

John C. Anderson

Wer bist Du?“ ist keine ungewöhnliche Frage. „Was bist Du?“ hat man Sie vielleicht nie gefragt – und Sie sich auch nicht. Sind Sie ein Zufall des Universums, ein beliebiges Ergebnis der Interaktion von Atomen und Molekülen während der letzten Jahrmilliarden? Oder sind Sie das Ergebnis eines ganz spezifischen, gezielten Schöpfungsakts? Ihre Antwort auf die Frage „Was bist Du?“ hat tiefgreifende Folgen dafür, wie Sie über sich selbst und Ihre Umwelt denken.

Unsere Welt ist sichtbar von wissenschaftlichen Entdeckungen beherrscht; das Wissen ist exponentiell gewachsen und hat einen endlosen Strom technischer Neuerungen hervorgebracht. Doch unsere Welt wird auch von verschiedenen, konkurrierenden Philosophien beherrscht. Dies ist vielleicht weniger augenfällig, doch diese Philosophien haben einen größeren Einfluss auf uns, als all unsere Technik zusammengenommen – denn wie wir uns selbst und unsere Welt sehen, bestimmt, was wir mit dem verfügbaren Wissen tun.

Naturwissenschaft und Philosophie werden oft als gegensätzliche Ansätze des Verstehens gesehen: Naturwissenschaft als Suche nach harten Fakten, basierend auf Beobachtung, Experimenten und Messungen, damit wir das Funktionieren der Welt um uns besser verstehen können; Philosophie als Suche nach einem übergreifenden Verständnis dafür, warum die Dinge sind, wie sie sind, basierend auf spekulativem Denken und Logik.

Doch die beiden sind untrennbar miteinander verbunden. Naturwissenschaft, die nicht von einer anständigen Moralphilosophie geleitet wurde, kann albtraumhafte Auswirkungen haben. Im Nazideutschland der 30er und 40er Jahre missbrauchten Wissenschaftler die Eugenik [Lehre von Erbgesundheit und Erbgut], indem sie versuchten, eine überlegene Menschenrasse zu produzieren. Gleichzeitig wurden möglichst perfekte technische Mittel für eine „Endlösung“ entworfen, um Menschen, die als unerwünscht galten, schnell und kostengünstig auszumerzen. Dies sind nur zwei Beispiele von vielen, die angeführt werden könnten, um aufzuzeigen, dass wissenschaftliches Streben ohne geeignete moralische Schranken eindeutig grauenhafte Ergebnisse hervorbringen kann. Die zukünftigen Möglichkeiten der Gentechnologie eröffnen hier ein neues Szenario.

UNGEPRÜFTE PHILOSOPHIE 

Auch Philosophie kann außer Kontrolle geraten, wenn sie von der Prüfung an der Realität losgelöst ist. Dies war die Situation im Europa des 16. und 17. Jahrhunderts. Die römisch-katholische Kirche hatte vor langer Zeit bestimmte Vorstellungen vom Wesen der Welt übernommen, die von Aristoteles, dem griechischen Philosophen, stammten. In seinem Bestreben, die Ursachen zu verstehen, entwickelte Aristoteles Vorstellungen über die Welt, die auf Logik und Überlegung beruhten. Eine große Schwäche seiner Methode war das Fehlen praktischer Beobachtung, um seine Schlüsse zu bestätigen oder zu widerlegen. Weil seine fehlerhaften Theorien in die Lehrmeinung und Autorität der Kirche eingebunden wurden – und damit scheinbar auch mit der Bibel –, entstand ein ernstes Problem.

Der polnische Astronom Nikolaus Kopernikus meuterte gegen die konventionellen Weisheiten der aristotelischen Sicht der Welt. Seine Gedanken lösten einen Feuersturm aus, als der italienische Mathematikprofessor Galileo Galilei später anhand von Experimenten und Messungen bestätigte, dass einige aristotelische Vorstellungen falsch waren. Als Galilei seine Ergebnisse veröffentlichte, wurde er zur Zielscheibe intensiver Gegenwehr vonseiten seiner akademischen Kollegen; sie verstanden seine Argumente als Angriff auf Aristoteles und das gesamte, das etablierte Weltbild definierende, philosophische Gedankengebäude.

In seiner Galilei-Biographie erklärt Stillman Drake: „In Aristoteles‘ Wissenschaft war jeder Teil logisch mit jedem anderen verknüpft, und so schien es seinen Anhängern, dass nichts, was er sagte, falsch sein konnte.“ Deshalb sah man es als eine Bedrohung des gesamten Gedankengebäudes, wenn auch nur eine Aussage Aristoteles‘ kritisiert wurde.

Galilei widersprach einer Aussage des Aristoteles mit der berühmten Behauptung, die Geschwindigkeit, mit der ein Körper falle, sei nicht proportional zu seinem Gewicht. Die blinde Opposition der aristotelischen Philosophen brachte einen von ihnen dazu, Experimente durchzuführen, um Galileis Behauptungen zu widerlegen. Dieser erwiderte in seinem Buch Unterredungen und mathematische Demonstrationen über zwei neue Wissenszweige der Mechanik: „Aristoteles sagt, dass eine Kugel von einhundert Pfund, die aus einer Höhe von einhundert Ellen fällt, den Boden erreicht, ehe eine Kugel von einem Pfund eine Elle gefallen ist. Ich sage, sie erreichen ihn gleichzeitig. Ihr macht den Versuch und stellt fest, dass die größere Kugel die kleinere um zwei Zoll schlägt. Hinter diesen zwei Zoll wollt Ihr nun Aristoteles‘ neunundneunzig Ellen verstecken; Ihr sprecht nur über meinen winzigen Fehler, schweigt aber über seinen riesigen Irrtum.“

Eine andere Lehrmeinung in Galileis Zeit besagte, dass die Erde der Mittelpunkt des Universums sei, unbewegt und unbeweglich. Dieser Glaube beruhte auf aristotelischen Prinzipien, die im zweiten Jahrhundert von dem Astronomen Claudius Ptolemäus weiterentwickelt worden waren, und behauptete, die Himmelskörper (Sonne, Mond, Planeten und Sterne) drehten sich um die Erde. Darüber hinaus beinhaltete er die Vorstellung, die Himmelskörper seien frei von jeder Unvollkommenheit und könnten nicht verändert werden. Nachdem Galilei ein Teleskop mit zwanzigfacher Vergrößerung konstruiert hatte, fand er Indizien dafür, dass auch das geltende Weltbild – mit der Erde im Zentrum vollkommener Himmelskörper – irrig war.

Drake berichtet, wie Galilei im Jahr 1609 den Mond beobachtete: „Was er sah, deutete er richtig als Beweis für die Existenz von Bergen und Kratern, wo Naturphilosophen die vollkommene Kugelförmigkeit im vollkommenen Himmel postulierten. Anfang Januar 1610 entdeckte er vier Satelliten, die um Jupiter kreisten, was der Vorstellung der Naturphilosophen widersprach, die Erde sei der Mittelpunkt aller Himmelsbewegungen.“

Wenige Monate später veröffentlichte Galilei seine Entdeckungen in seiner „Sternenbotschaft“, die von den Verteidigern des Aristotelismus vehement verurteilt wurde. Sechs Jahre später verurteilten Theologen der römischen Kirche offiziell Galileis Thesen, die Sonne sei der Mittelpunkt der „Welt“ und die Erde drehe sich um die Sonne und um ihre eigene Achse. Sie begründeten ihr Urteil mit der geltenden Lehrmeinung und mit ihrer Deutung bestimmter Bibelstellen. Somit durfte Galilei diese beiden Thesen nicht mehr verteidigen (oder, einem umstrittenen Dokument zufolge, nicht mehr lehren).

1632 veröffentlichte Galilei ein Werk „über die beiden hauptsächlichsten Weltsysteme“ –das ptolemäische, mit der Erde als Zentrum, und das kopernikanische, mit der Sonne als Zentrum. Er glaubte, solange er eine Bewegung der Erde als rein hypothetisch behandelte, sei er nicht in Gefahr. Doch im folgenden Jahr wurde er wegen Verdachts der Ketzerei vor die Inquisition gebracht. Er wurde für schuldig befunden und lebte unter Hausarrest, bis er im Jahr 1642 starb.

So triumphierte die Philosophie zeitweise über nachprüfbare Beobachtungen und Messungen, nicht eben zum Ruhm der römisch-katholischen Kirche und der Philosophen.

EIN MODERNES SPIEGELBILD 

Was haben diese Ereignisse von vor 400 Jahren mit der Gegenwart zu tun? Die Parallele liegt darin, dass die westliche Gesellschaft heute von einer anderen, ebenfalls fehlerhaften Philosophie dominiert wird: der Theorie von der Evolution bzw. der Evolution durch natürliche Auslese nach Darwin. Die Theorie, das Leben in all seiner Vielfalt und Komplexität habe sich in rein materiellen, völlig ungelenkten Prozessen aus anorganischen Elementen entwickelt, wird von ihren Anhängern als unbezweifelbare Tatsache vorgebracht. In Wirklichkeit ist sie ein philosophisches Konstrukt, gestützt auf viele fragwürdige, irreführende und in manchen Fällen regelrecht betrügerische Aussagen.

Dass sich Pflanzen und Tiere im Lauf der langen Geschichte des Lebens auf der Erde bemerkenswert verändert haben, ist eine wahrnehmbare Tatsache. Dass es innerhalb der Pflanzen- und Tierarten Abwandlungen gibt (gemeinhin Mikroevolution genannt), ist beobachtet worden. Doch niemand hat je gesehen, dass sich eine Pflanzen- oder Tierart zu einer anderen Pflanzen- oder Tierart entwickelt hat (oft als Makroevolution bezeichnet).

Tier- und Pflanzenarten können durch Zuchtauswahl abgewandelt werden, doch trotz aller menschlichen Eingriffe, um zum Beispiel eine enorme Vielfalt von Hunden zu züchten: Ein Hund ist ein Hund und nichts anderes als ein Hund. Die Unterschiede sind das Ergebnis gezielter Auswahl und Zucht bestimmter Hunde, um spezifische Erbanlagen hervorzuheben, die im Genom der Hunde von vornherein angelegt sind. Veränderungen im Genom kommen vor, aber soweit bekannt ist, haben solche Mutationen nie eine lebensfähige neue Art hervorgebracht. Auch hat niemand je einen lebenden Organismus aus den Grundelementen hergestellt, aus denen alle Lebewesen bestehen (Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff usw.), oder gar nachgewiesen, wie leblose Stoffe sich zu einem lebenden Organismus organisieren konnten.

Die Vorstellung, dass sich lebende Organismen spontan bilden und dann mit der Zeit auf natürlichem Weg zu anderen Arten von Organismen verzweigen konnten, ist also keine beobachtete Tatsache. Sie lässt sich nicht durch wiederholbare Experimente, Beobachtungen und Messungen nachweisen, die für eine wissenschaftliche Methode wesentlich sind. Evolution durch natürliche Auswahl bleibt somit eine bloße Theorie, eine Art, bestimmte Tatsachen zu deuten, ist aber nicht selbst eine Tatsache. Wie in der Naturphilosophie zu Galileis Zeiten verlässt man sich auf Spekulationen als Beweise.

Naturphilosophen vor und nach Galilei haben ausgeklügelte kosmologische Schemata ersonnen, um – ausgehend von ihrer Annahme, die Erde stünde still, unbewegt und unbeweglich – die Bewegung der Sonne, des Mondes, der Planeten und der Sterne zu erklären. Sie kamen zwar auf Erklärungen, die zu den beobachteten Bewegungen der Himmelskörper zu passen schienen, doch ihre Erklärungen waren Zeitverschwendung und vergebliche Mühe, weil sie auf falschen Voraussetzungen beruhten.

BEWEISE, DIE NICHT ÜBERZEUGEN 

Ähnlich ist die heutige Situation in der Evolutionsforschung: Eine Annahme wird mit ausgeklügelten, aber falschen Argumenten gestützt. Der promovierte Molekular- und Zellbiologe Jonathan Wells zählt in Icons of Evolution (Ikonen der Evolution, 2000) zehn der am häufigsten zitierten Argumente für die darwinsche Evolution auf.

Er fährt fort: „Diese [zehn Argumente] … werden so häufig als Beweise für Darwins Theorie zitiert, dass die meisten von ihnen ,Ikonen‘ der Evolution genannt wurden. Doch auf die eine oder andere Weise verfälschen sie alle die Wahrheit. … Einige präsentieren Annahmen oder Hypothesen, als wären es beobachtete Tatsachen. … Andere verschweigen heftige Kontroversen zwischen Biologen, die von großer Tragweite für die Evolutionstheorie sind. Am schlimmsten ist, dass einige in direkten Widerspruch zu allgemein anerkannten wissenschaftlichen Beweisen stehen.“ Im Folgenden zeigt Wells die Schwierigkeiten und Irrtümer in den gängigsten Argumenten zugunsten der Evolutionstheorie auf.

Nicht nur er lehnt die verbreitete Ansicht ab, das Leben habe sich ohne eine von außen eingreifende Intelligenz entwickelt. In Darwin’s Black Box (1996) zeigt der Biochemiker Michael Behe, dass die darwinsche Evolution mit ihrem Mechanismus des allmählichen Fortschreitens keine Erklärung für nicht reduzierbar komplexe biochemische Maschinen bietet, wie sie im Zellinneren zu finden sind (vgl. „Intelligente Planung“). Diese Mechanismen sind überzeugende Indizien dafür, dass hinter lebenden Organismen eine intelligente Planung steht.

Der Mathematiker William Dembski, ein Fürsprecher der intelligenten Planung als einer besseren Erklärung für die Entstehung des Lebens, schilt die herkömmlichen Theologen dafür, dass sie den Darwinismus akzeptieren. Die Kritik der Verfechter einer geplanten Entstehung, schreibt er, „beruht nicht auf einer angenommenen Unvereinbarkeit zwischen christlichem Theismus und Darwinismus. Ihre Kritik setzt vielmehr mit dem Argument an, dass der Darwinismus in sich ein verfehltes naturwissenschaftliches Paradigma ist – dass er keine fundierte wissenschaftliche Theorie darstellt, dass seine Fähigkeit, etwas zu begründen, äußerst begrenzt ist und dass er jämmerlich scheitert, wenn er versucht, den gewaltigen Bogen der Naturgeschichte zu erklären.“

Er fährt fort: „Die Probleme des Darwinismus sind da, und sie sind offenkundig: Die Entstehung des Lebens, die Entstehung des genetischen Codes, die Entstehung multizellularen Lebens, die Entstehung der Sexualität, die Lücken in der Fossilkette, der biologische Urknall im Kambrium, die Entwicklung komplexer Organsysteme und die Entwicklung nicht reduzierbar komplexer Maschinen auf der Molekularebene sind nur einige der ernsteren Schwierigkeiten jeder Evolutionstheorie, die nur von ziellosen, materiellen Prozessen ausgeht“ („What Every Theologian Should Know About Creation, Evolution and Design [ Was jeder Theologe über Schöpfung, Evolution und Planung wissen sollte] “).

WIE KANN SIE FALSCH SEIN? 

Zwar sind Wells, Behe und Dembski in ihrer Ablehnung der darwinschen Evolutionstheorie nicht allein, doch als Naturwissenschaftler gehören sie mit dieser Ansicht zu einer kleinen Minderheit. Wenn sich fast alle Naturwissenschaftler einig sind, dass Darwins Evolutionstheorie stimmt, wie kann sie dann falsch sein? Unsere Gesellschaft hat so viele Fortschritte des Wissens über das Wesen der physischen Welt und so viele nützliche Anwendungen dieses Wissens erlebt, dass sie wissenschaftliche Leistungen und Wissenschaftler allgemein mit Recht sehr hoch achtet.

Doch dem Verständnis von Wissenschaftlern sind – wie dem anderer Menschen auch – Grenzen gesetzt, und auch sie können irregeführt werden. Die meisten Naturwissenschaftler sind nicht auf Fachbereiche spezialisiert, die mit der Evolution zusammenhängen. Die meisten haben als junge Studenten Allgemeine Naturwissenschaft und Biologie belegt und die Vorstellung der Evolution wahrscheinlich fraglos akzeptiert, weil ihre Lehrer und ihre Lehrbücher sagten, es sei so. Ein Student, der gerade die Grundbegriffe eines Faches lernt, verfügt nicht über das nötige Faktenwissen, um Autoritäten des Faches zu widerlegen.

Aus diesem Grund sind die Konflikte, wie Wells schreibt, „den meisten Biologen nicht bewusst. … Den größten Teil dessen, was sie über Evolution wissen, haben sie aus Biologie-Lehrbüchern und den gleichen Zeitschriftenartikeln und Fernsehdokumentationen gelernt, die das breite Publikum zu sehen bekommt. … Manche Biologen wissen von Schwierigkeiten mit einer bestimmten Ikone, weil sie die Beweise in ihrem eigenen Fachgebiet verzerrt. … Doch sie halten dies vielleicht für ein isoliertes Problem, insbesondere wenn sie überzeugt sind, dass Darwins Theorie durch überwältigende Beweise aus anderen Fachbereichen gestützt wird.“

Jeder Wissenschaftler, der über die Probleme mit dem Darwinismus nachdenkt, sieht sich einem schwierigen Hindernis gegenüber, weil der Darwinismus ein so festgesetzter Glaube ist. In American Outlook (Ausgabe November/Dezember 2000) behandelt Dembski die Gefahr, dass eine wissenschaftliche Theorie zum unangefochtenen Dogma wird. Er schreibt:

Ein einfacher induktiver Schluss aus früheren wissenschaftlichen Fehlern sollte ausreichen, um uns zu überzeugen, dass das Einzige, worin wir nicht irren können, die Möglichkeit ist, dass wir uns irren könnten. … Dogmatismus hingegen gaukelt uns vor, wir hätten die Informationen ultimativ gemeistert und Andersdenken sei sinnlos. … Die Frage ist, ob die wissenschaftliche Gemeinschaft bereit ist, den Dogmatismus abzulegen und es als echte Möglichkeit zuzulassen, dass ihre liebsten Sichtweisen falsch sein könnten. … Wie jede andere wissenschaftliche Theorie muss der Darwinismus regelmäßig auf seine Realitätstauglichkeit überprüft werden“ („Shamelessly Doubting Darwin [ Schamlose Zweifel an Darwin] “).

WEITREICHENDE INTOLERANZ 

Obwohl die darwinsche Evolution keine solide, beweisbare naturwissenschaftliche Tatsache ist, ist sie das vorherrschende wissenschaftliche Weltbild geworden. Als solches hatte und hat sie weitreichende Folgen, nicht nur für Wissenschaft und Bildung, sondern auch für die Gesellschaft als Ganzes.

Darwin lieferte denen, die Gott beiseite schieben wollten, ein Mittel, dies zu tun. Die Historikerin Gertrude Himmelfarb schreibt: „Es gab viele, die mit [Thomas] Huxley der Meinung waren, eines der großen Verdienste der Evolutionstheorie sei ihr ,vollständiger und unversöhnlicher Antagonismus gegenüber jener starken und konsequenten Feindin des höchsten intellektuellen, moralischen und sozialen Lebens der Menschheit – der katholischen Kirche.‘ Und nicht nur dem Katholizismus, sondern jeder Religion gegenüber“ (Darwin and the Darwinian Revolution [ Darwin und die darwinsche Revolution], 1959).

Die Ironie ist klar: Wer es wagt, die Gültigkeit der darwinschen Evolutionstheorie infrage zu stellen, wird vom intellektuellen Establishment der Gesellschaft verurteilt – nicht unähnlich der Verurteilung Galileis durch die Inquisition im Jahr 1633. Ihn attackierten damals aristotelische Philosophen, weil seine Kritik an Aristoteles das gesamte Gerüst ihres Weltverständnisses gefährdete. Ähnlich ist die Situation mit den Anhängern der darwinschen Evolutionstheorie. Diskussionen über andere mögliche Erklärungen und Kritik an der Theorie der organischen Evolution werden einfach nicht geduldet.

Als wollte er das Thema ein für allemal abschließen, tat Richard Dawkins, ein führender Verfechter der Evolutionstheorie, folgenden berühmten Ausspruch über diejenigen, die das evolutionäre Dogma anzweifeln: „Man kann mit absoluter Sicherheit sagen, wenn man jemandem begegnet, der behauptet, nicht an die Evolution zu glauben, dann ist er ignorant, dumm oder wahnsinnig (oder böse, aber das möchte ich lieber nicht in Betracht ziehen).“

In der westlichen Welt von heute scheint es eine absurde Vorstellung zu sein, dass die darwinsche Evolution keine absolute Wahrheit ist, sondern eigentlich nur eine Idee – eine sehr zwingende Vorstellung für diejenigen, die lieber nicht in Betracht ziehen möchten, dass eine weit höhere Intelligenz als ihre eigene für ihr Dasein verantwortlich ist und vielleicht sogar eine endgültige Antwort auf die Frage „Was bist Du?“ hat.

Der Darwinismus ist ein philosophisches Konstrukt, das benutzt wird, um die Entwicklung des Lebens ohne das Wirken einer schöpferischen Intelligenz zu erklären. Als Philosophie ist er gefährlich geworden, weil er mit der Machtstruktur in der Gesellschaft verbunden ist, die Andersdenkende wirksam zum Schweigen bringen kann.

Viel hat sich in den letzten 400 Jahren doch nicht geändert.