Sommer 2012

Religion

Babylon – Geschichte und bleibendes Symbol

David Hulme

Babylon kommt in der Bibel häufig vor, im Alten wie auch im Neuen Testament. Auch der „Vater der Geschichtsschreibung“, der Grieche Herodot, der die Stadt im 5. Jahrhundert v. Chr. besuchte, erwähnt sie in seinen Schriften. Griechische Autoren schrieben generell positiv über die Stadt; die Sicht der Bibel ist dagegen negativ.

Beginnend mit der Gründung Babylons durch Nimrod – „der war der Erste, der Macht gewann auf Erden“ (1. Chronik 1, 10) – berichtet die hebräische heilige Schrift von Gottes Eingreifen beim Turmbau zu Babel (1. Mose 11) und den späteren Interaktionen der Stadt mit den Königreichen Israel und Juda vom 8. bis 6. Jahrhundert v. Chr. (2. Könige 20, 12-13; 2. Könige 24). Vielleicht wegen dieser durchgehenden Geschichte von Nimrods Babel bis Nebukadnezars Babylon wurde die Stadt ein Symbol für menschlichen Stolz und Hochmut. Die Propheten Jesaja und Jeremia sprachen von Babylons Eigenschaften und seinem späteren Schicksal (s. Jesaja 13; Jeremia 50, 51). Das babylonische Exil jüdischer Gefangener nach der Verschleppung durch König Nebukadnezar (605-562 v. Chr.) war der geografische Hintergrund für die hebräischen Propheten Hesekiel und Daniel. Diese Gefangenschaft war ein so folgenreiches Ereignis, dass sie als wichtiger biblischer Bezugspunkt dient. Matthäus erwähnt sie z.B. in seiner Genealogie Christi und Stephanus nannte sie in seiner Rede über die Geschichte Israels (s. Matthäus 1, 11, 12, 17; Apostelgeschichte 7, 43).

Die höchste Bedeutung bekommt Babylon als Symbol im Buch Offenbarung. Dort steht die Stadt für alles Böse in der gegenwärtigen und künftigen Regierung, Religion und Gesellschaft der Menschen – dem System, das Gott am Ende für immer vernichten wird: „Sie ist gefallen, Babylon, die große Stadt; denn sie hat mit dem Zorneswein ihrer Hurerei getränkt alle Völker“ (Offenbarung 14, 8; s. auch Kapitel 17 und 18).