Sommer 2015

Religion

Das Gesetz, die Propheten und die Schriften, Teil 13

„Sei getrost und unverzagt“

David Hulme

Das Buch Josua wurde im Rahmen der Maximalismus-Minimalismus-Diskussion unter biblischen Archäologen in den letzten Jahren intensiv untersucht. Man könnte annehmen, dass die Maximalisten im Gegensatz zu den Minimalisten für die Gültigkeit des Bibeltexts argumentieren, nachdem für zahlreiche Aspekte der Geschichte des alten Israel auch außerbiblische Bestätigungen zu finden sind. Dennoch geht keine der beiden Seiten wirklich davon aus, dass der Bibeltext Fakten wiedergibt. Dies betrifft insbesondere die Eroberung Kanaans durch die israelitischen Stämme unter Josuas Führung. Was genau berichtet die Bibel über jene Zeit, und sind diese Berichte glaubwürdig?

Das Buch Josua beginnt direkt, nachdem Israels großer Führer Mose gestorben ist und Gott dessen Helfer Josua zu seinem Nachfolger berufen hat. Was nun folgt, deckt Josuas etwa 26 übrige Lebensjahre ab. Die ersten zwölf der 24 Kapitel des Buches beschreiben die Eroberung des Landes. Die zweite Hälfte behandelt hauptsächlich die Zuweisung der verschiedenen Gebiete an die Stämme Israels. Die drei Schlusskapitel berichten von einer frühen Konfliktgefahr unter ihnen und geben Josuas letzte Worte wieder.

Es ist stimmig, dass der zweite Hauptteil der hebräischen Bibel, „die Propheten“, mit Josua beginnt, denn das Buch setzt die israelitische Geschichtsschreibung in die Ära der Männer fort, die Gott aussandte, um seinem Volk und den umgebenden Völkern zu prophezeien. Dieser zweite Teil der hebräischen Heiligen Schrift umfasst die früheren und die späteren Propheten. Dieser große Block von Texten deckt mehrere Jahrhunderte ab, von Israels Ankunft im Gelobten Land über die fortschreitende Inbesitznahme und die Verschleppung ins Exil als Folge der Sünde bis zur späteren Rückkehr einiger Stämme in der Zeit der nachexilischen Propheten.

IN DAS GELOBTE LAND 

Gott bestätigte Josuas neue Rolle und wies ihn an, nun das Land in Besitz zu nehmen, das er den Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob versprochen hatte. „Getrost und unverzagt“ sollte Josua das Volk über den Jordan führen, um das Land von sieben unabhängigen kanaanitischen Völkern zu erobern (Josua 1, 2–4, 6–7, 10; 24, 11). Und Gott bekräftigte seine Unterstützung mit den Worten: „Es soll dir niemand widerstehen dein Leben lang. Wie ich mit Mose gewesen bin, so will ich auch mit dir sein. Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen“ (Josua 1, 5). Mose war als Prophet anerkannt (5. Mose 18, 18) und Josua erfüllte, obgleich er nicht so bezeichnet wurde, faktisch die Funktion, dem Volk Gottes Wort kundzutun (Josua 3, 9).

Als Erstes schickte Josua zwei Kundschafter über den Jordan, um die nahe gelegene, alte Stadt Jericho auszuspähen. Sie begegneten dort einer Wirtin und/oder Prostituierten namens Rahab, die sie bei sich versteckte, nachdem sie erfahren hatte, wer sie waren. Die Stadtbewohner hatten davon gehört, dass die Israeliten kamen – dass Gott bei ihrem Auszug aus Ägypten das Meer geteilt hatte, dass sie zwei Könige im Osten des Flusses besiegt, ihr Land eingenommen und es den Stämmen Ruben und Gad und der Hälfte des Stammes Manasse gegeben hatten. Dies hatte sie mit Furcht erfüllt. Rahab wusste davon zu profitieren, dass sie den Kundschaftern begegnet war, und bat darum, sie selbst und ihre Familie beim Angriff auf Jericho zu verschonen. Sie sagten es ihr zu; daraufhin half sie ihnen, an einem roten Seil über die Stadtmauer zu entkommen, und riet ihnen, sich drei Tage in den nahen Bergen versteckt zu halten, ehe sie in ihr Lager zurückkehrten, um nicht gefangen genommen zu werden. Dadurch konnten die Kundschafter sicher auf die Ostseite des Jordans gelangen und Josua berichten, dass das Land eingenommen werden konnte, weil Jerichos Bewohner Angst hatten (Kapitel 2).

Als die Zeit kam, den Jordan zu überqueren, sollten die Priester die „Lade des Herrschers über alle Welt“/„Bundeslade“/„Lade des Bundes des HERRN“ eine kurze Strecke vor dem Volk hertragen. Dies symbolisierte die angemessene Trennung von der Heiligkeit Gottes und auch, dass Gott von zentraler Bedeutung für ihre Zukunft sein würde. Als die Füße der Priester das Wasser des im Frühling angeschwollenen Flusses berührten, blieb dieser etliche Kilometer flussaufwärts stehen, und das Volk zog an das andere Ufer. Die Priester standen mitten im Fluss auf trockenem Boden, bis alle das andere Ufer erreicht hatten (Kapitel 3).

Zum Gedenken, dass Gott Israel erneut durch ein großes Wunder gerettet hatte, wurden zwei Denkmäler aus jeweils zwölf Steinen vom Grund des Jordans aufgerichtet – eines in Gilgal am Westufer des Flusses (wo Israel sein vorläufiges Hauptquartier aufschlug), das andere mitten im Fluss, wo die Priester trockenen Fußes gestanden hatten (4, 1–9, 19–20).

Israel zog trockenen Fußes durch den Jordan. Das war ein weiteres Exodus-Wunder. […] Wo auch immer Israel sich befand, es konnte sich immer darauf verlassen, dass sein Gott es retten würde. Er kontrollierte die Naturgewalten des Universums. Er konnte jeden Feind kontrollieren, dem Israel gegenüberstand.“ 

Trent C. Butler, Word Biblical Commentary, Band 7 „Joshua“ 

Nun waren 40 000 Mann bereit zur Schlacht gegen die Bevölkerung Kanaans (4, 12–13). Doch zuvor gebot Gott, alle männlichen Israeliten zu beschneiden wie ihre Väter vormals in Ägypten. Diese Männer waren während der 40-jährigen Wanderschaft durch die Wüste gestorben, und seither waren die Söhne nicht mehr beschnitten worden; diese Situation galt es nun zu korrigieren (5, 2–9). So geschah es; danach feierten die Israeliten in der Ebene von Jericho ihr Passafest, aßen ungesäuertes Brot und geröstetes Getreide von dem neuen Land. An diesem Tag ging das Manna zu Ende, das sie durch ein Wunder Gottes statt Brot bekommen hatten (Vers 12). Als Ermutigung, gegen Jericho zu ziehen, und um ihn des Sieges zu versichern, kam ein Engel zu Josua; er identifizierte sich als „Fürst über das Heer des HERRN“ (Verse 13–15).

Die Krieger konnten sich nun daranmachen, die Stadt einzunehmen, die ihre verängstigten Bewohner inzwischen verschlossen hatten. Sechs Tage lang marschierten sie jeden Tag um die Stadt, und am siebten Tag machten sie die Runde siebenfach. Bei jeder Runde marschierten die Krieger vor den Priestern, die in Widderhörner bliesen, und das Ende der Prozession bildeten die Bundeslade und das Volk. Jeden Tag kehrten sie in ihr Lager zurück und ruhten sich aus. Bei der siebten Runde am siebten Tag dröhnten die Widderhörner, und Josua befahl dem Volk, ein Kriegsgeschrei zu erheben. Da stürzten die Stadtmauern durch ein Wunder ein, sodass die Israeliten die Stadt plündern und ihre Bewohner töten konnten (6, 1–16, 20–21). Wie verabredet hatten Rahab und ihre Familie das rote Seil der Kundschafter an ihr Fenster gebunden, um verschont zu werden, während die Stadt überfallen wurde (2, 18; 6, 22–23).

Josua hatte dem Volk verboten, sich Kriegsbeute anzueignen; wer es doch tat, sollte verflucht werden. Ein Mann verstieß gegen dieses Verbot und brachte Israel damit in große Gefahr: Achan stahl einen kostbaren Mantel, einen Goldbarren und Silbermünzen (7, 20–21). Zur Strafe für diesen Ungehorsam wurde Israel von den Bewohnern der benachbarten Ortschaft Ai besiegt. Erst als Achans Sünde aufgedeckt und bestraft worden war, konnte Ai eingenommen werden (8, 1–29).

Mose hatte befohlen, dass sich die Israeliten, sobald sie das Land erreicht hatten, in der Mitte des Landes vor zwei Bergen versammeln sollten, um Gottes Segen zu empfangen. Josua hielt sich an Moses Anweisungen und erbat diesen Segen auf den Bergen Ebal und Garizim; er errichtete dort einen Altar aus Steinen und schrieb das Gesetz darauf. Außerdem erinnerte er das Volk an die Segenszusagen und Fluchandrohungen, die mit Gehorsam und Ungehorsam gegenüber Gottes Gesetz verbunden waren (Verse 30–35).

FRIEDE UND KRIEG 

Angesichts von Josuas Erfolg in Jericho und Ai verbündeten sich sechs der sieben einheimischen Völker gegen Israel; nur eine Stadt schloss sich ihnen nicht an: Die Bewohner von Gibeon reagierten anders auf die Nachrichten von Israels dramatischen Siegen. Sie beschlossen, die Israeliten mit einer List dazu zu bringen, ein Bündnis mit ihnen zu schließen, um so einer potenziellen Niederlage in einer Schlacht zu entgehen. Sie gaben vor, Gesandte eines fernen Landes zu sein, zogen alte Kleidung an und luden alte Säcke, hartes Brot und zerlöcherte Weinschläuche auf ihre Esel. Auf Josuas Frage, ob sie eigentlich nicht in der Nähe wohnten, antworteten sie, sie seien Israels Diener aus einem fernen Land; ihre Ältesten und Landsleute hätten die Kunde vernommen, dass Israels Gott die Könige im Osten des Jordans und die Städte Jericho und Ai besiegt habe (9, 1–13). Josua und die Israeliten waren dumm genug, ein Bündnis mit ihnen zu schließen, ohne zuvor Gottes Rat einzuholen und ohne weitere Fragen zu stellen.

Als drei Tage später die Wahrheit ans Licht kam, empörte sich das Volk Israel gegen seine Anführer. Doch diese mussten ihre Zusage an die Gibeoniter einhalten. Deshalb „errettete [Josua die Gibeoniter] aus der Hand der Israeliten, dass sie sie nicht töteten. So machte sie Josua an diesem Tage zu Holzhauern und Wasserschöpfern für die Gemeinde und den Altar des HERRN bis auf diesen Tag, an der Stätte, die er erwählen würde“ (9, 26–27).

Dass sich Gibeon Israel unterworfen hatte, versetzte Adoni-Zedek, den König von Jerusalem, so in Angst, dass er sich mit benachbarten Königen verbündete, um Gibeon anzugreifen. Die Gibeoniter, die nun einen neuen Verbündeten hatten – Israel –, riefen diesen zum Schutz herbei. So konnte Josua die Koalition einheimischer Völker besiegen; als sie bereits auf der Flucht waren, kam ein plötzlicher, gewaltiger Hagelschauer vom Himmel, der mehr Todesopfer forderte als die Schlacht selbst (10, 1–11).

An diesem Tag gab es ein weiteres bemerkenswertes Ereignis. Josua bat Gott, das Tageslicht zu verlängern, damit die Israeliten ihren Feinden länger nachsetzen konnten. Josua zufolge überlieferte auch das antike, nicht mehr erhaltene Buch Jascher („Buch des Redlichen“) dieses Ereignis mit den Worten: „So blieb die Sonne stehen mitten am Himmel und beeilte sich nicht unterzugehen fast einen ganzen Tag.“ Im Buch Josua heißt es weiter: „Und es war kein Tag diesem gleich, weder vorher noch danach, dass der HERR so auf die Stimme eines Menschen hörte; denn der HERR stritt für Israel“ (10, 13–14).

Fünf der angreifenden Könige fanden Zuflucht in einer Höhle, nur um von den Israeliten dort festgesetzt zu werden. Am Ende jenes langen Tages ließ Josua die Könige hinrichten. Dadurch waren die Israeliten im Vorteil und sie zogen, ohne Zeit zu verschwenden, in Richtung des Gebiets dieser Könige im Süden: „So schlug Josua das ganze Land auf dem Gebirge und im Süden und im Hügelland und an den Abhängen mit allen seinen Königen und ließ niemand übrig und vollstreckte den Bann an allem, was Odem hatte, wie der HERR, der Gott Israels, geboten hatte“ (10, 40–43).

Dies ist nicht der Rundumschlag, mit dem in einem Schwung alles erobert und besetzt wurde, den manche Bibelwissenschaftler vorschnell und ohne faktisch Untermauerung in den Text des Buches Josua hineinlesen wollen.“ 

Kenneth A. Kitchen, On the Reliability of the Old Testament 

Dann wurde der Krieg nach Norden getragen, wo Josua ähnlich erfolgreich war. All dies geschah über eine lange Zeit hinweg. Beschrieben wird die restlose Vernichtung der Völker im Süden Kanaans. Weiter heißt es: „So nahm Josua das ganze Land ein, ganz so, wie der HERR zu Mose geredet hatte, und gab es Israel zum Besitz, einem jeden Stamm sein Teil. Und das Land war zur Ruhe gekommen vom Kriege“ (11, 23).

Doch an bestimmten Orten blieben noch einige Stämme übrig, obgleich es im Text heißt, Josua habe ganz Kanaan erobert und niemanden übrig gelassen (10, 38–40). Später im Text wird berichtet, dass die Israeliten weiterhin einheimische Stämme vertreiben mussten (15, 63; 16, 10; 17, 12–13; 19, 47). Trotz Josuas Sieg über „das ganze Land“ einschließlich der Anakiter, eines Stammes von Riesen, den die Israeliten sehr gefürchtet hatten und den Josua „ausrottete“ (11, 21–22), waren sie noch eine Macht, die Kaleb, sein Späherkamerad aus der Zeit in der Wüste, erst später vertrieb (14, 12).

Dies findet sich in den einleitenden Versen des Buches Richter wieder: „Danach zog Juda hinab, um gegen die Kanaaniter zu kämpfen, die auf dem Gebirge und im Südland und im Hügelland wohnten. Und Juda zog gegen die Kanaaniter, die in Hebron wohnten – Hebron aber hieß vorzeiten Kirjat-Arba –, und sie erschlugen den Scheschai und Ahiman und Talmai [die alle Anakiter waren; siehe 4. Mose 13, 22] und zogen von dort gegen die Einwohner von Debir. Debir aber hieß vorzeiten Kirjat-Sefer“ (Richter 1, 9–11).

Dieser offensichtliche Widerspruch zwischen dem, was Josua am Ende erreicht haben sollte, und dem, was dennoch zu tun blieb, legt nahe, dass die Sprache des Buches Josua idealisiert, um darzustellen, dass Israel die kanaanitischen Königreiche auf breiter Front zu Fall brachte, nicht aber, dass es diese völlig ausrottete.

Tatsache ist, dass Bibelwissenschaftler sich von dem optimistischen, rhetorischen Element mitreißen ließen, das im Buch Josua vorhanden ist – ein immer wiederkehrendes Merkmal der meisten Kriegsberichte in antiken Quellen des Nahen Ostens, das sie nicht gewohnt sind zu verstehen und richtig einzuordnen.“ 

Kenneth A. Kitchen, On the Reliability of the Old Testament 

DAS LAND WIRD VERTEILT 

Der zweite Teil des Buches Josua beschreibt hauptsächlich die Abgrenzungen des Landes, das unter den neuneinhalb Stämmen Israels an der Westseite des Jordans verteilt wurde. Die Stämme Ruben und Gad sowie der halbe Stamm Manasse hatten ihre Gebiete an der Ostseite schon zu Moses Lebzeiten erhalten (Kapitel 13, 15–32).

Nun wurden den übrigen Stämmen ihre Gebiete zugewiesen – außer den Leviten, die in 48 spezifischen Städten, aber ohne geerbtes Land unter allen Stämmen leben sollten (14, 3–4; 21, 1–42). Juda bekam ein großes Stück Land im Süden; Benjamin erhielt Jerusalem und Nachbarorte, konnte aber die Stadt ihren Bewohnern, den Jebusitern, nicht entreißen. Josefs Söhnen Efraim und Manasse (der anderen Hälfte des Stammes) wurde Land im nördlichen und westlichen Landesinneren zugeteilt. Das übrige Land ließ Josua in Augenschein nehmen und in sieben Teile aufteilen, die er dann ausloste (18, 2–6). Dies geschah in Silo in der Mitte Israels, das Josua zum festen Standort für die Stiftshütte, den zentralen Ort der Anbetung, bestimmt hatte. Die Lose fielen nacheinander auf Benjamin, Simeon, Sebulon, Issachar, Asser, Naftali und Dan (18, 11–19, 48).

Josua selbst erhielt ein besonderes Stück Land im Gebiet des Stammes Ephraim, dem er angehörte. Außerdem bestimmten die führenden Israeliten Freistädte als Zufluchtsorte zum Schutz vor Blutrache für Menschen, die ungewollt einen Landsmann zu Tode gebracht hatten (Kapitel 20).

In einem der letzten Kapitel des Buches Josua wird von einem Altar berichtet, den die israelitischen Stämme jenseits des Jordans an der Grenze bauten. Die anderen Stämme nahmen an, er diene der Götzenanbetung, und drohten ihnen mit Krieg; doch sie verständigten sich: Sie würden einig darin sein, Gott nicht zu missfallen – nicht einmal mit dem Anschein, andere Götter anzubeten (Kapitel 22).

JOSUAS ABSCHIED 

Josua war mittlerweile sehr alt geworden, und da er es als seine Pflicht ansah, den Israeliten letzte Worte zu sagen, versicherte er ihnen, dass Gott ihnen die Hilfe geben werde, die sie brauchten, um die Kanaaniter zu vertreiben: „Der HERR, euer Gott, wird sie vor euch ausstoßen und vor euch vertreiben, und ihr werdet ihr Land einnehmen, wie euch der HERR, euer Gott, zugesagt hat. So haltet nun ganz fest daran, dass ihr alles tut, was geschrieben steht im Gesetzbuch des Mose, und nicht davon weicht, weder zur Rechten noch zur Linken“ (23, 5–6).

Doch wenn sie nicht darauf achteten, sich von den umgebenden Völkern abzugrenzen und nur Jahwe anzubeten, sondern Mischehen eingingen und heidnische Praktiken übernähmen, würden sie die Folgen zu tragen haben: „So wisst, dass der HERR, euer Gott, nicht mehr alle diese Völker vor euch vertreiben wird, sondern sie werden euch zum Fallstrick und Netz werden und zur Geißel für euren Rücken und zum Stachel in euren Augen, bis ihr ausgerottet seid aus dem guten Land, das euch der HERR, euer Gott, gegeben hat“ (23, 13).

Segen kann nur so lange andauern wie totale Treue zu Jahwe. Wenn Israel beginnt, mit anderen Göttern zu experimentieren, wie andere Völker sein und jeden möglichen Gott anbeten will, führt dies direkt ins Verderben.“ 

Trent C. Butler, Word Biblical Commentary, Band 7 „Joshua“ 

Vor allen Stämmen und den Ältesten, die er nach Sichem gerufen hatte, hielt Josua seine letzte Rede. Im Namen Gottes rief er ihnen ins Gedächtnis, dass ihr Vorfahre Terach aus Mesopotamien gekommen war, wo er heidnischen Göttern gedient hatte. Er erinnerte sie an Abrahams Berufung, die Geburt von Isaak, Esau und Jakob, an Israels Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei, die Jahre in der Wüste und schließlich den Besitz des Gelobten Landes (24, 1–13). „So fürchtet nun den HERRN und dient ihm treulich und rechtschaffen und lasst fahren die Götter, denen eure Väter gedient haben jenseits des Euphratstroms und in Ägypten, und dient dem HERRN“ (Vers 14). Wenn sie sich daran hielten, wäre ihnen der Erfolg sicher. Und das Volk stimmte mehrfach zu (Verse 16, 21, 24). Da schloss Josua in Sichem einen Bund für das Volk und gab ihm dies als Gesetz. Er schrieb es in das Buch des Gesetzes und stellte unter einer Eiche bei der Stiftshütte in Silo einen Gedenkstein dafür auf.

Josua starb mit 110 Jahren; er wurde im Gebirge Ephraim bestattet und von dem Volk hoch geehrt. Solange die Ältesten lebten, die ihn gekannt hatten, blieb das Volk Gott treu (Verse 25–27; 29–31).

Wie ein Nachtrag berichtet, wurden die Gebeine von Jakobs Sohn Josef, die beim Auszug aus Ägypten mitgenommen worden waren, auf dem Grundstück in Sichem bestattet, das Jakob als Grab für seine Frau Rahel, Josefs Mutter, gekauft hatte. In der gleichen Region, im Gebirge Ephraim auf Josefs Land, wurde auch Aarons Sohn bestattet.

Das nächste Buch der früheren Propheten – Richter – setzt die Geschichte Israels nach Josuas Tod fort und wird in der nächsten Folge von Das Gesetz, die Propheten und die Schriften behandelt.