Frühjahr 2015

Religion

Das Gesetz, die Propheten und die Schriften, Teil 12

Abschließende Worte

David Hulme

Während die Kinder Israel am Rand des Gelobten Landes lagerten, erklärte Mose ihnen, wie sie mit bestimmten sozialen Belangen umzugehen hatten. Um erfolgreich zu sein, würde dieses nomadische Wüstenvolk, das sich in einem neuen Gebiet niederließ, auf die Realitäten eines stärker strukturierten Lebens achten müssen. Dies sollte Moses letzte Gelegenheit sein, die Menschen an ihre Pflichten in dem neuen Land zu erinnern, denn ihm selbst war verwehrt, es zu betreten. Außerdem war es Zeit, Josua als seinen Nachfolger zu bestätigen.

Bei der Wiederholung der Regeln, nach denen die Nachkommen Jakobs leben sollten, berücksichtigte Gott, dass er es mit einem Volk zu tun hatte, das nicht das Herz oder den Willen hatte, ihm konsequent gehorsam zu sein (5. Mose 5, 29). Darum musste er ihm sehr strikte, detaillierte Vorschriften geben, die zu einem großen Teil die Tatsache widerspiegeln, dass es ein „halsstarriges“ (störrisches und eigenwilliges) Volk war, das schon weit vom Weg Gottes abgewichen war (5. Mose 9, 6–7, 13). Einige der Vorschriften mögen deshalb überstreng oder unvereinbar mit Gottes Gnade und Vergebung erscheinen. Doch weil das Verhalten der Israeliten ein gutes Beispiel für die benachbarten Völker sein sollte und weil diese alles andere als geistlich gesinnt waren, wusste Gott, dass sie starke, konkrete Anreize brauchen würden, um sich so zu verhalten, dass Friede und Segnungen folgen würden.

Ach dass sie ein solches Herz hätten, mich zu fürchten und zu halten alle meine Gebote ihr Leben lang, auf dass es ihnen und ihren Kindern wohlginge ewiglich!“ 

Deuteronomium 5, 29 

Selbst wenn die Kinder Israel in Rebellion und Ungehorsam abfielen, würde Gott sein bedingungsloses Versprechen an ihre Vorväter Abraham, Isaak und Jakob halten; sie würden das Land erben, vor dem sie nun standen.

JUSTIZ UND KRIEGSFÜHRUNG 

Bis Kapitel 19 des Deuteronomiums wiederholt Mose zur Hälfte, was das Gesetz besagte und wie es künftig angewendet werden sollte. Oft lassen diese Anweisungen eine Sorge um Gerechtigkeit und Fairness, soziale Stabilität und Schutz erkennen. Hier erläuterte er das Prinzip der „Freistädte“, in die man flüchten konnte. Schon zuvor hatte er drei solche Städte im Ostjordanland genannt (5. Mose 4, 41–43): Wer ohne Vorsatz einen Menschen tötete, sollte in einer von neun eigens dafür bestimmten Städten Zuflucht finden (Kapitel 19, 1–13; 4, 41–43). Dies sollte jeden, der unabsichtlich einen anderen getötet hatte, vor Blutrache schützen. Doch wenn ein Israelit versuchte, diesen Schutz in Anspruch zu nehmen, obwohl er tatsächlich einen Mord begangen hatte, sollten die Ältesten der betreffenden Freistadt verpflichtet sein, ihn der Gerichtsbarkeit auszuliefern.

Im Hinblick auf andere rechtliche Fragen erwähnte Mose, dass Grundstücksgrenzen geschützt sein sollten; niemand durfte Grenzsteine seines Nachbarn versetzen (Kapitel 19, 14). Auch Zeugen von Verbrechen oder Vergehen sollten in vernünftiger Weise geschützt werden. In jedem Fall waren zwei oder drei Zeugen erforderlich, und böswillige Zeugen sollten genau das erleiden, was sie dem Beschuldigten gewünscht hatten. Jedem, der durch eine falsche Anklage bei Gericht versuchte, die Gerechtigkeit zu untergraben, sollte dies mit gleicher Münze heimgezahlt werden. Eine solche Strafe sollte der ganzen Gemeinschaft eine Lehre sein: „So sollt ihr mit ihm tun, wie er gedachte, seinem Bruder zu tun, damit du das Böse aus deiner Mitte wegtust, auf dass die andern aufhorchen, sich fürchten und hinfort nicht mehr solche bösen Dinge tun in deiner Mitte“ (Verse 19b–20).

Wenn die Israeliten mit Feinden zu kämpfen hatten, sollten sie sich nicht fürchten, nicht einmal, wenn sie in der Unterzahl waren, sondern auf die Hilfe Gottes vertrauen. Ihre Streitmacht sollte eher eine temporäre Miliz sein als ein stehendes Heer. Wer gerade ein Haus oder einen Weinberg gekauft hatte oder in Kürze heiraten sollte, musste nicht an kriegerischen Auseinandersetzungen teilnehmen. Auch die Ängstlichen waren vom Kriegsdienst befreit, damit sie die Kampfmoral der anderen nicht schwächten (Kapitel 20, 1–8).

Israel, höre zu! Ihr zieht heute in den Kampf gegen eure Feinde. Euer Herz verzage nicht, fürchtet euch nicht und erschreckt nicht und lasst euch nicht grauen vor ihnen; denn der HERR, euer Gott, geht mit euch, dass er für euch streite mit euren Feinden, um euch zu helfen.“ 

Deuteronomium 20, 3–4 

Bei der Behandlung von Gefangenen und der Kriegsbeute sollten die Israeliten zwischen Städten innerhalb des Gelobten Landes und Städten außerhalb ihres Territoriums unterscheiden. Der Hintergrund hierfür war der Einfluss, den lokale Völker auf die Treue der Israeliten zu Gott haben konnten – „damit sie euch nicht lehren, all die Gräuel zu tun, die sie im Dienst ihrer Götter treiben, und ihr euch so versündigt an dem HERRN, eurem Gott“ (Vers 18). Nichts sollte ihre Loyalität gefährden. Innerhalb ihres neuen Landes sollten sie die gesamte bisherige Bevölkerung vernichten; in Städten außerhalb ihrer Grenzen, die den angebotenen Friedensbedingungen nicht zustimmten, sollten Frauen und Kinder jedoch verschont werden.

Im Fall eines ungeklärten Mordes sollten die Ältesten und Leviten der nächstgelegenen Stadt die Verantwortung übernehmen und ein Sühneritual für das Volk durchführen, sodass es von der Schuld an diesem Tod befreit wurde (Kapitel 21, 1–9).

REGELN FÜR DAS PRIVATLEBEN 

In den folgenden vier Kapiteln (Kapitel 21, 10–25, 19) erinnert Mose an wichtige Gesetze für persönliche Aspekte des Alltagslebens. Hier kommt die Fürsorge für die Frau im Zusammenhang mit der Ehe zum Ausdruck. Weibliche Kriegsgefangene konnten mit Israeliten verheiratet werden, doch sie mussten die Möglichkeit bekommen, um den Verlust ihrer Angehörigen zu trauern, mit Respekt behandelt werden und, wenn der betreffende Mann sich später von ihnen scheiden ließ, nicht als Sklavinnen verkauft, sondern freigelassen werden (Kapitel 21, 10–14). Scheidung ist etwas, das Gott nie gewollt hat und tatsächlich hasst (Maleachi 2, 16). Jesus wies nach, dass Mose Scheidung nur wegen der Härte des Menschenherzens erlaubte (Matthäus 19, 7–8). In polygamen Haushalten sollte es Schutzrechte für die weniger geliebte Ehefrau geben, die sich auf den Erstgeborenen erstreckten. Der Ehemann durfte seinem erstgeborenen Sohn nicht seine Rechte nehmen, indem er diesen Status auf einen anderen Sohn übertrug, nur weil er die Mutter des Erstgeborenen weniger liebte (5. Mose 21, 15–17). Dieses Gesetz trägt der Realität eines Volkes Rechnung, das von Gottes ursprünglichem Willen abgewichen war, dem zufolge ein Mann nur eine Frau haben sollte (Matthäus 19, 4–5). Es dient der größtmöglichen Stabilität in einer nicht optimalen Familienkonstellation.

Im Anschluss folgen Gesetze, die regeln, wie man mit widerspenstigen, ungehorsamen Kindern verfahren sollte, wenn diese nicht bereit waren, sich zu bessern (5. Mose 21, 18–21). Die Israeliten waren ja selbst ein halsstarriges Volk, und aus Gottes Sicht mussten die sozialen Konsequenzen von Ungehorsam für sie einschneidend sein. Aus diesem Grund sollten die Ältesten der Stadt in bestimmten Fällen mit Einverständnis der Eltern die Todesstrafe anordnen. So brutal dieses Gesetz im 21. Jahrhundert auch wirken mag – es diente der Stabilität und Sicherheit der Gesellschaft. Aber reichten diese Vorschriften aus, um in den meisten Fällen abschreckend zu wirken? Angesichts der möglichen Konsequenzen ließen die meisten Eltern und jungen Leute es vielleicht gar nicht zum Äußersten kommen. Wahrscheinlich waren sie bereit, zu tun, was nötig war, um die Folgen abzuwenden.

Innerhalb der Liste der verschiedenen Gesetze findet sich eine Vorschrift, die die Zurschaustellung der Leichen von hingerichteten Kapitalverbrechern einschränkt. Diese wurde später von der Obrigkeit auf Gekreuzigte angewendet und im Zusammenhang mit Jesus Christus zitiert: „Wenn jemand eine Sünde getan hat, die des Todes würdig ist, und wird getötet und man hängt ihn an ein Holz, so soll sein Leichnam nicht über Nacht an dem Holz bleiben, sondern du sollst ihn am selben Tage begraben – denn ein Aufgehängter ist verflucht bei Gott –, auf dass du dein Land nicht unrein machst, das dir der HERR, dein Gott, zum Erbe gibt“ (Verse 22–23; Johannes 19, 31).

Ein Hauptanliegen der Gesetze in Deuteronomium 21–25 ist der Schutz der Armen und Schwachen in der Gesellschaft vor der Ausbeutung durch die Mächtigen.“

Duane L. Christensen, Word Biblical Commentary, Volume 6B: „Deuteronomy 21, 10–34, 12“

Eine vielfältige Reihe weiterer Gesetze betrifft den Umgang mit fremdem Eigentum, z. B. entlaufenen Tieren und verlorener Kleidung, das Verbot, Kleidung des anderen Geschlechts zu tragen, den Schutz von Muttervögeln, Bauvorschriften, Acker- und Gartenbau sowie Qualitätsstandards. Es finden sich darunter Gesetze zum Schutz von Personen, die in verschiedenen sexuellen Konstellationen leben oder geschädigt werden – von falschen Anschuldigungen bis hin zu Vergewaltigung, von Promiskuität bis hin zu Ehebruch und Inzest (5. Mose 22, 1–30). Wer rituell unrein war, durfte nicht in die Gemeinde Israels aufgenommen werden; das Gleiche galt für Ammoniter und Moabiter, weil diese Nachbarvölker sich geweigert hatten, den Israeliten zu helfen, als sie auf dem Weg ins Gelobte Land waren (Kapitel 23, 1–14).

Weitere Gesetze verbieten Tempelprostitution und regeln die Rechte von Sklaven, die Verzinsung von Darlehen, Gelübde und deren Erfüllung, den Verzehr von Feldfrüchten eines Nachbarn, Quarantäne, Witwen und Waisen, Scheidung, Militärdienst, gerechten Lohn und gerechte Bestrafung sowie vieles mehr – sie vergrößern damit das Spektrum der Themen, die Mose abdeckte (Kapitel 23, 15–25, 19). Dies war ein wahrhaft allumfassender Rechtskodex, bei dem es im Kern um die gerechte Behandlung jedes Menschen in einer Gesellschaft ging, die stabil und über Generationen erfolgreich sein sollte.

Eine der Pflichten, die das Volk in dem neuen Land erfüllen sollte, bestand darin, für die Fülle, die es hervorbrachte, Dankopfer zu bringen (Kapitel 26, 1–19). Diese Opfergaben sollten Erstlinge der Feldfrüchte sein, die Gott an einer zentralen, von ihm bestimmten Stelle dargebracht wurden. Dabei sollten sich die Israeliten auf ihre Ursprünge, auf ihren mühsamen Weg in das Land und auf denjenigen besinnen, der sie aus der Unterdrückung befreit hatte. Bei jeder Opferung sollten sie sprechen: „Mein Vater war ein Aramäer, dem Umkommen nahe, und zog hinab nach Ägypten und war dort ein Fremdling mit wenig Leuten und wurde dort ein großes, starkes und zahlreiches Volk. Aber die Ägypter behandelten uns schlecht und bedrückten uns und legten uns einen harten Dienst auf. Da schrien wir zu dem HERRN, dem Gott unserer Väter. Und der HERR erhörte unser Schreien und sah unser Elend, unsere Angst und Not und führte uns aus Ägypten mit mächtiger Hand und ausgerecktem Arm und mit großem Schrecken, durch Zeichen und Wunder, und brachte uns an diese Stätte und gab uns dies Land, darin Milch und Honig fließt. Nun bringe ich die Erstlinge der Früchte des Landes, das du, HERR, mir gegeben hast“ (Verse 5–10).

SEGNUNGEN UND VERFLUCHUNGEN 

Sobald das Volk in das Land eingezogen war, sollte es auf dem Berg Ebal bei Sichem im Landesinneren Steine aufstellen, auf die das Gesetz Gottes geschrieben war, und einen Altar errichten (5. Mose 27, 2–8). Die zwölf Stämme sollten in zwei Gruppen unterteilt werden, die auf den einander gegenüberliegenden Bergen Ebal und Gerisim Aufstellung beziehen sollten. Auf dem Gerisim, der Gottes Segnungen repräsentierte, sollten Simeon, Levi, Juda, Issachar, Josef und Benjamin stehen; auf dem Ebal sollten Ruben, Gad, Asser, Sebulon, Dan und Naftali verschiedene Verfluchungen aussprechen.

Die Leviten sollten zwölf Verfluchungen verkünden, die alle hören und ihnen zustimmen sollten. Bei dieser Verkündung geht es um die Folgen des Ungehorsams gegenüber verschiedenen Gesetzen und Prinzipien, darunter „Verflucht sei, wer einen Götzen oder ein gegossenes Bild macht“ (Vers 15) und „Verflucht sei, wer seinen Vater oder seine Mutter verunehrt“ (Vers 16). Alle zwölf Verfluchungen beziehen sich auf Dinge, die privater Natur sind oder im Geheimen getan werden. Es geht darum, ob der öffentlich bekannte Glaube an Gott und seinen Weg auch im Alltag gelebt wird (Verse 9–26). In diesem Zusammenhang findet sich in einem späteren Kapitel folgende Warnung: „Lasst ja nicht einen Mann oder eine Frau, ein Geschlecht oder einen Stamm unter euch sein, dessen Herz sich heute abwendet von dem HERRN, unserm Gott, dass jemand hingehe und diene den Göttern dieser Völker. Lasst unter euch nicht eine Wurzel aufwachsen, die da Gift und Wermut hervorbringt. Lasst niemand, der die Worte dieses Fluches hört, sich dennoch in seinem Herzen segnen und sprechen: Mir wird es wohlgehen, auch wenn ich wandle nach meinem verstockten Herzen“ (Kapitel 29, 17–18).

Als alle auf den Bergen versammelt waren, sollten die zwölf Stämme jeweils eine Serie von Segnungen für Gehorsam und Verfluchungen für Ungehorsam hören. Da die Israeliten ein besonderes Volk sein sollten – auserwählt, um Gottes Weg vorzuleben, nicht dank ihrer eigenen Rechtschaffenheit, sondern um die Wirkung der gelebten Gottesgesetze zu demonstrieren –, sollte ihr Weg öffentlich verkündet werden, sobald sie das neue Land betraten.

In Kapitel 28 werden die Vorteile des Gehorsams und die Konsequenzen des Ungehorsams detailliert dargestellt. „Wenn du nun der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorchen wirst, dass du hältst und tust alle seine Gebote, die ich dir heute gebiete, so wird dich der HERR, dein Gott, zum höchsten über alle Völker auf Erden machen, und weil du der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorsam gewesen bist, werden über dich kommen und dir zuteil werden alle diese Segnungen“ (Kapitel 28, 1–2). Diese Segnungen umfassten Wohlstand, Sicherheit und Frieden in Stadt und Land, Fruchtbarkeit bei Menschen, Tieren und Feldfrüchten, regelmäßigen Regen, Überfluss sowie Reichtum und Prestige als Volk (Verse 3–14).

Hielten sich die Israeliten aber nicht an ihre Vereinbarung mit Gott, so sollten sie entsprechend verflucht sein; dies wird weitaus detaillierter ausgeführt (Verse 15–68). Sie würden immer größere Not erleiden, darunter den Verlust von Frieden und Sicherheit im ganzen Land, Hungersnot und Entbehrungen, schrumpfende Bevölkerungszahlen und Viehbestände, Verwirrung und Frustration, Wahnsinn, Verzweiflung, Krankheit, Dürre, militärische Niederlagen, sozialen Niedergang, Unterdrückung, Gefangenschaft – jedes nur vorstellbare Übel: „Und wie sich der HERR zuvor freute, euch Gutes zu tun und euch zu mehren, so wird er sich nun freuen, euch umzubringen und zu vertilgen, und ihr werdet herausgerissen werden aus dem Lande, in das du jetzt ziehst, es einzunehmen.“ (Vers 63).

DER BUND WIRD ERNEUERT 

Erneut stellte Mose fest, dass das ihm anvertraute Volk noch immer nicht entschlossen war, dem Gott zu folgen, der es aus der ägyptischen Sklaverei befreit hatte: „Der HERR hat euch bis auf diesen heutigen Tag noch nicht ein Herz gegeben, das verständig wäre, Augen, die da sähen, und Ohren, die da hörten (Kapitel 29, 3). Mose erneuerte nun in Moab den Bund, der zuerst auf dem Sinai/Horeb geschlossen worden war, und drängte das Volk, sich zu verpflichten, „damit du trittst in den Bund des HERRN, deines Gottes, und unter den Eid, den der HERR, dein Gott, dir heute auflegt, dass er dich heute zum Volk für sich erhebe und er dein Gott sei, wie er dir zugesagt hat und wie er deinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob geschworen hat“ (Verse 12–13).

Ich kenne deinen Ungehorsam und deine Halsstarrigkeit. Siehe, jetzt schon, während ich noch bei euch lebe, seid ihr ungehorsam gewesen gegen den HERRN; wie viel mehr nach meinem Tode!“ 

Deuteronomium 31, 27 

Selbst wenn die Verfluchungen, wie Mose erwartete, die Israeliten heimsuchen und sie in Gefangenschaft geraten würden, sollte Vergebung immer noch möglich sein, wenn sie sich an Gott erinnerten und umkehrten. Dann würde ihnen das Land zurückgegeben und die Segnungen würden zurückkehren (Kapitel 30, 1–10).

Was Mose den Kindern Israel bei der Erneuerung des Bundes vor Augen führte, waren tatsächlich zwei Arten, zu leben. Sie hatten die Wahl, und Gott verlangte von ihnen, sich zu entscheiden: „Ich nehme Himmel und Erde heute über euch zu Zeugen: Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, damit du das Leben erwählst und am Leben bleibst, du und deine Nachkommen, indem ihr den HERRN, euren Gott, liebt und seiner Stimme gehorcht und ihm anhängt. Denn das bedeutet für dich, dass du lebst und alt wirst und wohnen bleibst in dem Lande, das der HERR deinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob geschworen hat, ihnen zu geben.“ (Kapitel 30, 19–20).

LETZTE WORTE UND TATEN 

Mose war inzwischen 120 Jahre alt und wurde müde – konnte, wie er sagte, „nicht mehr aus- und eingehen“ (Kapitel 31, 1). Er bestätigte, dass sein Helfer Josua sein Nachfolger sein und das Volk in das neue Land führen würde. Vor allen Israeliten sagte er zu Josua: „Sei getrost und unverzagt; denn du wirst dies Volk in das Land bringen, das der HERR ihren Vätern geschworen hat, ihnen zu geben, und du wirst es unter sie austeilen“ (Vers 7; s. auch Vers 23).

Und der Herr befahl Josua, dem Sohn Nuns, und sprach: Sei getrost und unverzagt, denn du sollst die Israeliten in das Land führen, wie ich ihnen geschworen habe, und ich will mit dir sein.“ 

Deuteronomium 31, 23 

Mose rief die Priester und Ältesten zusammen, gab ihnen das Buch, in dem er das Gesetz niedergeschrieben hatte, und wies sie an, es neben der Bundeslade aufzubewahren. Alle sieben Jahre sollte das Gesetz anlässlich des herbstlichen Laubhüttenfestes vor allen Menschen und ihren Kindern ausgerufen werden (Kapitel 31, 9–13, 24–26).

Dann befahl Gott Mose, Josua in die Stiftshütte zu bringen, wo er ihn als neuen Führer einsetzen wollte. Gottes Vorrede zu dieser Ermächtigung war eine Warnung: Er sah klar voraus, dass die Kinder Israel von ihm abfallen würden, sobald sie das Land eingenommen hatten und für sich nutzen konnten, und dass sie sich neuen Göttern zuwenden würden. Deshalb sollte Mose sie ein Lied lehren, das ihre Geschichte der Untreue umriss und das sie später voll Trauer singen sollten (Kapitel 31, 16–22; 32, 1–43). Erneut hielt er ihnen ihren Charakter und seine Sorge um ihre Zukunft vor: „Ich kenne deinen Ungehorsam und deine Halsstarrigkeit. Siehe, jetzt schon, während ich noch bei euch lebe, seid ihr ungehorsam gewesen gegen den HERRN; wie viel mehr nach meinem Tode!“ (Kapitel 31, 27).

Moses Tod auf dem nahegelegenen Berg Nebo stand kurz bevor. Gott befahl ihm, dort hinaufzusteigen und sich bereit zu machen, zu sterben, wie zuvor sein Bruder auf dem Berg Horeb. Das Gelobte Land durfte er nicht betreten, weil er und Aaron Gottes Heiligkeit nicht anerkannt hatten, als er sie beim „Haderwasser“ zu Kadesch in der Wüste erhörte – sie hatten so getan, als hätten sie selbst das Wunder gewirkt, dass Wasser aus dem Fels kam (Kapitel 32, 48–51).

Direkt vor seinem Tod segnete Mose das Volk Israel, jeden Stamm für sich nach seinem späteren Siedlungsgebiet (außer Simeon, wobei diese Ausnahme nicht erklärt wird). Die Segenssprüche sind nicht einheitlich: Bei einigen werden die Vorzüge des Siedlungsgebiets angesprochen, bei anderen positive Eigenschaften und Fehler; auch Gebete um Schutz und Wohlergehen sowie prophetische Elemente kommen vor (Kapitel 33, 1–29).

Vom Berg Nebo aus konnte Mose das gelobte Land noch sehen; dann starb er und wurde an einem unbekannten Ort in Moab bestattet (Kapitel 34, 5–6) – vielleicht, um einen unangebrachten Kult zu verhindern. Die Kinder Israel trauerten 30 Tage lang um ihn, bevor sie unter Josuas Führung in das neue Land zogen.

Die Schlussworte der gesamten Thora fassen Moses große Taten unter Gottes Weisung zusammen: „Es stand hinfort kein Prophet in Israel auf wie Mose, den der HERR erkannt hätte von Angesicht zu Angesicht, mit all den Zeichen und Wundern, mit denen der HERR ihn gesandt hatte, dass er sie täte in Ägyptenland am Pharao und an allen seinen Großen und an seinem ganzen Lande, und mit all der mächtigen Kraft und den großen Schreckenstaten, die Mose vollbrachte vor den Augen von ganz Israel“ (Kapitel 34, 10–12).